Garten für absolute Beginner*innen

Wir sind zwar schon recht tief mit euch in die Materie Garten eingetaucht, aber hin und wieder bekommen wir auch Fragen von Gartenneulingen, die wir heute mal beantworten wollen.

Wo fange ich an?

Wer noch keinen Garten hat, sollte sich erst einmal ausprobieren, bevor er Kleinanzeigen und Grundstücksangebote durchwühlt. So schön die Arbeit im Garten auch ist, sie sollte nicht unterschätzt werden. Verwandelt erstmal euren Balkon oder die Baumscheibe vor eurem Haus in einen kleinen Dschungel, bevor ihr euch einen großen Garten holt. Wer längst keinen Platz mehr auf dem Fensterbrett hat und schon Gurken, Tomaten und Kartoffeln auf der Terrasse geerntet hat, ist bereit für den nächsten Schritt. 

Einen Garten pachten 🏡

Wir wissen, dass es vor allem in Großstädten nicht so einfach ist, einen Garten zu pachten. Haltet die Augen bei Kleinanzeigen, an schwarzen Brettern und in Kleingartenanlagen auf. Wir haben unseren Garten bekommen, in dem wir einfach durch eine Kleingartenanlage geschlendert sind und Leute angesprochen haben. Bei uns gibt es viele betagte Gärtner*innen, von denen einige ihren Garten gern in liebevolle Hände abgegeben möchten. Wer nett ist und engagiert wirkt, kann von eingesessenen Pächter*innen gute Tipps bekommen.

Wenn in eurer Stadt absolut nichts zu bekommen ist, könnt ihr euch vielleicht in einem Community-Garten austoben. Es ist zwar nicht das Gleiche, aber immerhin kann man mit den Händen in der Erde wühlen und lernt dabei noch nette Leute kennen. Ihr könnt natürlich nebenbei immer Kleingartenvereine kontaktieren und euch auf Wartelisten setzen lassen.

In größeren Städten gibt es auch immer häufiger die Möglichkeit, einen Garten zu teilen. Sucht einfach nach Garten-Sharing in eurer Stadt. 

Der Kleingartenverein

Wenn ihr es geschafft habt, werdet ihr Mitglied im entsprechenden Kleingartenverein und müsst euch auch an die Kleingartenverordnung halten. Für gewöhnlich füllt man einen Mitgliedsantrag aus, zahlt eine Kaution und einen Mitgliedsbeitrag. Am Jahresende gibt es dann meist noch die Stromrechnung und der Pachtbetrag wird fällig. Es gibt mitunter eklatante Unterschiede, weshalb wir euch nicht sagen können, wie viele Kosten auf euch zukommen. Unser Garten kostet uns mit allen genannten Punkten etwa 200€ im Jahr.

Die Kleingartenverordnung kommt uns immer wie ein spießiges Relikt aus vergangenen Zeiten vor, aber wir versuchen uns daran zu halten. Sie definiert Ruhezeiten, wie hoch die Hecke sein darf und wie viel Fläche in eurem Garten bewirtschaftet werden muss. Manche Nachbar*innen haben Freude daran, andere für jeden Mist beim Vorstand anzuschwärzen. Für solche Menschen braucht man Geduld, starke Nerven und ein “Du-kannst-mich-mal”-Lächeln. Es ist leider notwendiges Übel und wir haben die Erfahrung gemacht, dass erdrückende Freundlichkeit hier die beste Waffe ist.

Crashkurs Gartenpraxis

Bodenarten

Bevor du wild zu graben anfängst, solltest du herausfinden, welche Bodenart in deinem Garten vorherrscht. Grob unterscheidet man schwere (Lehm), sandige und humose Böden. Dein Boden ist die Grundlage für alles, was da später wachsen soll. Doch du musst nicht verzweifeln, wenn du harten oder sandigen Boden hast, denn diese lassen sich mit ein wenig Arbeit verbessern.

Kurzer Überblick:

Humoser Boden → Des Gärtners Liebling. Er riecht nach Wald, enthält viel organisches Material, ist nährstoffreich und kann Wasser gut speichern.

Sandiger Boden → ist oft nährstoffarm, da das Wasser Nährstoffe schnell ausspült, dafür erwärmt er sich recht schnell und ist gut, um im Frühling zeitig zu starten. Kann durch untermischen von Kompost und Gesteinsmehl verbessert werden.

Lehmiger/toniger Boden (auch schwerer Boden genannt) →  speichert Nährstoffe und Wasser, verdichtet aber auch schnell. Er erwärmt sich nur langsam und muss regelmäßig bearbeitet werden, damit er durchlässig bleibt.

Gartengeräte

Einige von euch wollen jetzt vielleicht direkt zum Spaten greifen und erstmal alles umgraben, doch das ist oft gar nicht nötig. Wenn ihr einen Garten übernehmt, der schon eine Grundstruktur hat, reicht oft ein Grubber, um die Beete wieder herzustellen. Umgraben müsst ihr wirklich nur, wenn ihr dort Beete anlegen wollt, wo vorher Gras gewachsen ist oder wenn ihr das Land erst einmal urbar machen müsst. Ein Spaten sollte auf jeden Fall irgendwann in euren Garten einziehen, denn er eignet sich auch super, um große Pflanzlöcher auszuheben. Für die Auflockerung des Bodens und die Ernte von Wurzelgemüse ist übrigens eine Grabegabel besser geeignet.

Um mit dem Gärtnern zu starten, braucht ihr eigentlich nicht viel. Ich benutze zum Beispiel unverhältnismäßig oft einen kleinen Handgrubber. Grubber gibt’s auch in groß und sie eignen sich gut, um die Erde aufzulockern und Unkraut zu entfernen.

Eine Hacke ist auch eine Anschaffung wert. Mit ihr kann man den Boden tiefgründig auflockern und Wurzelunkräuter entfernen. Es ist wichtig, den Boden regelmäßig aufzulockern, damit er das Regenwasser besser aufnehmen kann und damit die Wurzeln gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. 

Wenn es um das Bestellen der Beete geht, könnt ihr auch eine Harke gut gebrauchen. Mit ihr könnt ihr dafür sorgen, dass die Erde im Beet gleichmäßig verteilt ist. Außerdem könnt ihr mit einer Harke feines Saatgut einharken.

Ein Must-Have ist auch noch eine Gartenschere, denn man muss ständig irgendwo etwas abknipsen. Gerade wenn ihr einen weniger gepflegten Garten übernehmt, werdet ihr erstmal viel wegschneiden.

Neben den großen Geräten solltet ihr auch ein paar kleine Geräte griffbereit haben. Eine Blumenkelle braucht man zum Beispiel ständig, um irgendwelche Pflänzchen in Löcher zu setzen. Auch ein Messer und ein Sammelkörbchen für die Ernte sollten in eurem Fundus nicht fehlen.

Säen und Ernten

Wenn ihr Gemüse anbauen wollt, müsst ihr vorher eure Beete vorbereiten. Dazu könnt ihr die eben genannten Geräte verwenden. Gerade für die Aussaat ist es wichtig, dass die Erde in den Beeten krümelig und frei von Unkraut ist. Die zarten Keimlinge sollten genug Platz und Nährstoffe haben, um groß und stark zu werden.

Wenn ihr Gartenneulinge seid, fangt am besten mit einfachem Gemüse an. 

Aussaat

Wenn ihr ein Stück Rasen oder Wiese in ein Beet verwandeln wollt, müsst ihr entweder umgraben und die Grassoden entfernen oder ein paar Wochen vorher nasse Pappe auf euer künftiges Beet legen. Die Variante mit der Pappe ist exzellent für faule Gärtner*innen geeignet, weil die Pflanzen darunter von allein absterben und gleich von Regenwurm und co. zersetzt werden. Ihr solltet allerdings nur unbedruckte Pappe verwenden, da Druckerschwärze eventuell für Bodenorganismen schädlich ist.

Wenn euer Beet dann frei von Beikraut ist, harkt ihr es glatt und zieht euch Rillen für das Saatgut. Hinten auf den Tütchen findet ihr Reihenabstände und Pflanzabstände. Bei Erbsen würde man zum Beispiel zwischen den Reihen 40 cm Platz lassen und dann in der Reihe alle 4 cm eine Erbse legen. Diese Angaben sind von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, weshalb ihr immer die Saatguttüte aufheben solltet. Wenn alle Erbsen liegen, harkt ihr die Rillen vorsichtig mit der Harke zu und drückt die Erde etwas an. Dann gießt ihr die Reihen vorsichtig, am besten mit dem Brauseaufsatz, damit die Samen keimen können.

Es gibt auch Gemüse, welches zunächst sehr dicht gesät wird. Bei Radieschen nimmt man z.B. einen geringen Pflanzabstand und zieht dann später jedes zweite Pflänzchen raus. 

Bei großen Gemüsepflanzen wie Tomaten, Kürbissen und Zucchini empfiehlt es sich, diese zu Hause auf dem Fensterbrett vorzuziehen. Auch Pflanzen mit langer Kulturzeit wie z.B. Chili und Physalis könnt ihr zum Teil schon ab Februar in eurer Wohnung aussäen. Diese Pflanzen brauchen viel Wärme und Licht, weshalb ihr sie erst nach den Eisheiligen (Mitte Mai) ins Freiland pflanzen solltet.

Pflege

Das Herz hüpft, sobald die Schützlinge ihre Köpfe aus dem Boden stecken. Damit sie weiterhin gut gedeihen, solltet ihr das Beet immer mal wieder von Beikräutern befreien. Es ist ebenfalls empfehlenswert, regelmäßig zu hacken, damit der Boden das Wasser gut aufnehmen kann. Hacken solltet ihr vorsichtig zwischen den Reihen, damit euer Gemüse nicht zu Schaden kommt. Wenn ihr eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder anderen kleinen Gartenabfällen ausbringt, müsst ihr übrigens weniger hacken und weniger Beikraut jäten. 

Wenn es sehr trocken ist, müsst ihr wahrscheinlich auch hin und wieder gießen. Um möglichst sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen, solltet ihr morgens gießen, da dann die Erde noch kalt ist und nicht so viel Wasser verdunstet. Bewässert wenn es geht auch nicht den ganzen Garten, sondern nur die Pflanzen, die schon schlapp aussehen und dann direkt an der Wurzel. Wasser ist kostbar, weshalb wir euch empfehlen möglichst viel Regenwasser aufzufangen und nur sehr sparsam zu gießen.

Zur Pflege gehören auch das Düngen und der Schutz vor Krankheiten und Schädlingen. Hierzu empfehlen wir euch die Beiträge “Düng me if you can”, “Pflanzenkrankheiten” und “Wer frisst meine Pflanze?

Ernte

Der schönste Teil der Arbeit! Die ganze Mühe, die man sich gemacht hat, wird am Ende hoffentlich mit einer reichen Ernte belohnt. Manche Gemüse wie Salat und Radieschen kann man die ganze Saison über ernten, wenn man sie immer wieder nachsät. Auch Tomaten kann man mitunter bis in den Herbst hinein pflücken. Auf andere Gemüse wartet man ewig und freut sich dann umso mehr, wenn der 5 Kilo Kürbis im Topf landet. Manchmal hat man sich verschätzt und erntet dann jeden Tag 3 Kilo Zucchini. In diesem Fall kann man entweder die ganze Nachbarschaft versorgen oder man beschäftigt sich mit verschiedenen Konservierungsmethoden. Einige Gemüse lassen sich auch super lagern. Kürbisse halten sich mitunter Monate bei Zimmertemperatur. Auch Kartoffeln, Möhren und Äpfel lassen sich bei richtigen Bedingungen gut lagern.

Was noch?

Das war jetzt natürlich alles sehr basic erklärt. Der wichtigste Schritt ist, wie bei allem, das Anfangen. Traut euch einfach ran und probiert ein bisschen rum. Eine gewisse Frustrationstoleranz ist natürlich notwendig, denn vieles wird nicht auf Anhieb klappen. Gebt euch die Zeit euren Garten kennenzulernen und erlaubt euch nach dem Motto “Trial and Error” auch den ein oder anderen Fehler. Es gibt auch Erkenntnisse, die man erst im dritten oder vierten Jahr hat. Bei uns klappt Wurzelgemüse zum Beispiel nie und ich hab trotzdem Möhren und Sellerie eingepflanzt. Solange man nicht komplett abhängig von der eigenen Ernte ist, kann man alles etwas gelassen angehen.

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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