Düng me if you can

Düngen im Kleingarten

Jetzt legen unsere Pflanzen richtig los. Es ist endlich etwas wärmer und die Tage werden deutlich länger. Der Kindergarten wächst und muss so langsam umgesiedelt werden. Für unsere Pflanzenkumpels beginnt nun die Hauptvegetationsphase und wir sind dafür verantwortlich, dass sie auch genügend Nährstoffe zur Verfügung haben. Wenn man einen Garten über mehrere Jahre bewirtschaftet, gehen im Boden nach und nach wichtige Nährstoffe verloren. Diese sind natürlich nicht unwiederbringlich und können mit guter Gartenplanung, Bodenaufarbeitung und gewisser Düngerzufuhr wieder angereichert werden.

Über Planung und Boden haben wir bereits gesprochen, deswegen beschäftigen wir uns heute mal mit dem Düngen.

organisch/anorganisch – geht doch ganisch

Wenn ich im Baumarkt vor dem Düngerregal stehe, seh ich überhaupt nicht durch, weshalb ich die Läden immer ohne Dünger verlasse. Da gibt’s N-P-K- Dünger, Bio-Dünger, flüssige oder feste Dünger, organische Dünger, Depotdünger. Allein deshalb war düngen bisher ein viel zu kompliziertes Thema für mich, weshalb ich meist auf Kompost und Bokashi vertraut habe. Kurz zur Abgrenzung:

Organische Dünger

… sind Düngemittel aus dem natürlichen Kreislauf, die auch zur Bodenverbesserung eingesetzt werden können. Sie erhalten für die Pflanzen wichtige Nährstoffe wie Kalium, Stickstoff und Phosphor und darüber hinaus Vitamine und Eiweiße. Sie sind oft Abfallprodukte aus der Landwirtschaft (Tiermist, Hornspäne) oder der Nahrungsmittelproduktion (Zuckerrüben-Melasse).

Anorganische Dünger

….sind Düngemittel auf Basis chemischer Salze (Kalium, Stickstoff, Phosphor, u.a. Nährsalze). Kalkdünger gehört ebenfalls zu den anorganischen Düngern. Ich kann hier chemisch leider überhaupt nicht in die Tiefe gehen, weil ich auf diesem Gebiet eine absolute Niete bin. Diese Dünger können jedenfalls sowohl in der Natur vorkommen, als auch künstlich hergestellt werden. In großen Massen finden sie Einsatz in der Landwirtschaft. Für die Bewirtschaftung eines Kleingartens ist diese künstliche Form nicht unbedingt notwendig. Wir leben in Mecklenburg Vorpommern und hier gibt es so viel Landwirtschaft, dass wir wahrscheinlich im Grundwasser schon genug gelöste Düngemittel haben. Kunstdünger können auch leicht überdosiert werden und dann mehr schaden als nutzen, weshalb wir auf die Verwendung vollständig verzichten. 

Da wir im Kleingarten ausschließlich organische Düngemittel verwenden, möchten wir heute auch nur diese weiter beleuchten.

Jetzt mal ohne Schei* – Düngen mit Mist

Wenn man davon spricht, aus Schei*e Gold zu machen, kann doch nur das Düngen mit Mist gemeint sein. Stallmist eignet sich super als Pflanzennahrung, denn er erhält viele Nährstoffe, die durch die Pflanzen schnell aufgenommen werden können. Wenn euch also das nächste mal jemand feinen Pferdemist anbietet, schlagt zu! Man kann Dung auch in Pelletform im Baumarkt kaufen, falls kein fahrender Stallmisthändler vorbeikommt. 

Beim Ausbringen von Mist solltet ihr darauf achten, dass er bereits mindestens sechs Monate abgelagert ist. Frischer Mist ist noch zu “scharf” für die Pflanzen und könnte zarte Wurzeln verletzen. Ihr solltet Mist vor der Vegetationsperiode ausbringen. Mist enthält auch Mikroorganismen, die bei uns Krankheiten auslösen können, deshalb solltet ihr keinen Mist mehr verwenden, wenn schon Fruchtansätze zu sehen sind. Ihr könnt den Mist auch einfach kompostieren und nutzen, wenn der Kompost vollständig umgesetzt ist. Stallmist taugt auch nicht für alle Pflanzen, da sich manche Schädlinge wie z.B. die Larven der Zwiebelfliege oder der Möhrenfliege richtig wohl darin fühlen. Den Zwiebelacker solltet ihr also lieber nicht damit düngen. Generell solltet ihr Mist nur alle drei Jahre im Garten verwenden.

Auch wenn’s kein so schönes Thema ist, man kann auch eigenen Urin zum Düngen oder als Kompostbeschleuniger verwenden. Menschlicher Urin ist reich an Stickstoff, den Pflanzen gut für sich nutzen können. Inhaber*innen einer Trenntoilette können auch diese Abfälle kompostieren und wieder in den Kreislauf einbringen. Legt aber am besten einen extra Kompost an und kompostiert die Fäkalien zwei Jahre lang. Auch hier besteht nämlich die Gefahr von Krankheiten, die man durch längeres Ablagern minimieren kann. Wer sich näher mit der Kompostierung menschlicher Abfälle beschäftigen möchte, kann sich diese PDF von ecovia.ch herunterladen, die auch die rechtlichen Belange erwähnt.

Es gibt noch weitere Dünger, die aus tierischen Materialien bestehen, wie z.B. Blutmehl, Hornspäne und Knochenmehl. Diese entstehen aus der Verarbeitung von Tieren und sind daher kritisch zu betrachten. Vor allem Veganer*innen meiden diese Düngemittel.

Auch Wolle und Tierhaare (im Prinzip auch Menschenhaare) können im Garten verwendet werden. Wenn ihr das aus Tierschutzgründen ablehnt, gibt es aber auch noch starke pflanzliche Dünger.

A chli stinke muess es – Düngen mit Jauche

Was für Schweizer Fondue und Raclette gilt, gilt auch für Pflanzenjauche… Es muss ein bisschen stinken. Zauberhafte olfaktorische Knallermomente hat man beim Düngen eher nicht. Wer schon mal eine Brennnesseljauche angesetzt hat, weiß wovon ich rede. Jauche könnt ihr aus fast allen Pflanzen ansetzten, die ihr ohnehin irgendwo im Garten habt. Neben Brennnesseln ginge auch Giersch, Löwenzahn, Beinwell, Zwiebeln, Schachtelhalm und und und. Schneidet dazu einfach das Kraut eurer Wahl etwas klein und tut es in einen großen Eimer oder eine Tonne. Ich nehm so Pi-mal-Daumen 100g Grünzeug pro 10 Liter Wasser. Füllt euer Gefäß sicherheitshalber nur zu drei Vierteln, weil der Gärungsprozess alles zum Schäumen bringen kann. Wenn euer Gefäß gefüllt ist, könnt ihr es leicht abdecken und täglich umrühren. Ich vergesse das ziemlich oft, klappt aber meistens trotzdem. Wenn euch der Geruch zu heftig ist, könnt ihr etwas Gesteinsmehl dazu geben, das macht es etwas erträglicher. Wenn die Jauche nicht mehr schäumt, was etwa nach zwei Wochen der Fall ist, kann sie verwendet werden. Jauche enthält vor allem Kali und Stickstoff und sollte immer verdünnt (1:10) ausgebracht werden. Regenwürmer freuen sich richtig doll über die stinkende Plörre und die meisten Pflanzen auch. Lediglich Hülsenfrüchte und Lauchgewächse sollte man lieber verschonen. 

Gründüngung

Mit Gründüngung meint man Pflanzen, die das Bodenleben verbessern und Stickstoff anreichern können. Diese Pflanzen schützen leere Beete vor dem Auslaugen und Invasionen durch unerwünschte Beikräuter. Es gibt unterschiedliche Gründüngepflanzen, die auch unterschiedliche Profite für den Boden bringen. Hülsenfrüchte wie Wicken oder Lupinen können mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. Sie sind auch die einzigen Gründünger, die den Boden mit Nährstoffen anreichern, andere Pflanzen werden eher zur Bodenverbesserung gesät. Phacelia ist z.B. ein Bienenmagnet und lockert den Boden tiefgründig auf. Auch Kresse und Feldsalat können als Gründünger verwendet werden. Durch die Durchwurzelung des Bodens, werden bei Niederschlägen weniger Nährstoffe ausgewaschen und diese Pflanzen schützen auch vor Verwehungen und anderen Erosionen. Wenn man die Gründüngepflanzen nicht aufisst, kann man sie einfach in den Boden einarbeiten, damit sich die Humusschicht erweitert.

Mulchen

Mulchen hat viele positive Effekte, weshalb wir es euch unbedingt empfehlen. Wir nutzen alles, was wir im Garten irgendwo rauszubbeln als Mulch. Die Mulchschicht schützt den Boden vor Verdunstung und bietet Bodenorganismen Nahrung. Wenn wir unsere Mulchdecke anheben, wimmelt es darunter von Kleinstlebewesen. Bei der Zersetzung der Pflanzenabfälle werden nach und nach Nährstoffe freigegeben, weshalb sich Mulch gut als Langzeitdünger eignet. Auf den Beeten eignen sich am besten grüne Abfälle, wie Unkräuter (ohne Samen) und Rasenschnitt, weil diese recht schnell zersetzt werden. Stroh und verholztes Material brauchen deutlich länger, können aber gut für Wege, Beerensträucher, Stauden und Ziergehölze verwendet werden. Häufig werden auch Erdbeeren mit Stroh gemulcht, vermutlich vorrangig damit sie schön sauber bleiben.

Dünger from Scraps

So gut wie alle nicht-tierischen Küchenabfälle lassen sich problemlos kompostieren und so wieder in den Nährstoffkreislauf integrieren. Es gibt aber auch einige Abfälle, die ohne Umweg auf’s Beet gebracht werden können. Rosen sollen sich zum Beispiel wahnsinnig über Bananenschalen freuen. Eierschalen eignen sich als kleiner Kalziumboost und Tee- und Kaffeesatz sind reich an Stickstoff und können ebenfalls direkt in den Boden eingearbeitet werden. Kochwasser (ungesalzenes) von Kartoffeln ist reich an Mineralstoffen und kann abgekühlt gleich zum Gießen verwendet werden. Auch ein Sud aus Zwiebelschalen kann als Flüssigdünger verwendet werden. Ein Gemisch aus Hefe, Zucker und Wasser soll übrigens super als Kompostbeschleuniger wirken.

Kompost, Wurmkompost, Bokashi

Ein Komposthaufen sollte wirklich in jedem Garten sein, denn es ist die beste Möglichkeit, den Nährstoffkreislauf zu schließen und den Boden nachhaltig zu bewirtschaften. Wurmkompost soll noch nährstoffreicher als gewöhnlicher Kompost sein, weshalb er sich wunderbar als Dünger eignet. Wir selber besitzen einen Bokashi-Eimer, in dem wir Küchenabfälle mit Hilfe von Mikroorganismen fermentieren. Bei der Fermentation sammelt sich im Eimer eine Flüssigkeit, die wir verdünnt mit Wasser als Dünger verwenden. Das fertige Ferment ist ebenfalls reich an Nährstoffen und kann weiter kompostiert oder ebenfalls als Dünger verwendet werden. Wir haben uns vor einiger Zeit schon etwas tiefgründiger mit diesem Thema beschäftigt, weshalb ich euch an dieser Stelle auf unseren Beitrag “Kompost vs. Bokashi” verweisen möchte. 

So, das war jetzt eine ganze Menge und die Liste ist sicher nicht vollständig. Wir nutzen diese Varianten ohne großes System immer mal wieder im Wechsel und bisher fahren wir ganz gut damit. Für unsere kleine Selbstversorgung reicht uns das allemal. Wenn ihr gewerblich Gemüse verkaufen wollt, müsst ihr natürlich sehr viel tiefer in die Materie eintauchen und auch gesetzliche Rahmenbedingungen kennen. Uns ist es einfach wichtig, den natürlichen Nährstoffkreislauf möglichst gut nachzuahmen und so wenig Fremdstoffe wie möglich in den Garten zu bringen.

Quellen:

https://www.mein-schoener-garten.de/organische-duenger-0

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/anorganische-duenger/3767

https://www.mein-schoener-garten.de/gruenduengung-0

https://freudengarten.de/show/1428/9-kuchenabfalle-als-dunger-verwenden

https://www.mein-schoener-garten.de/organische-duenger-0

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