Permakultur im Kleingarten

Gärtnern für Faulpelze

Kein anderer Ort erklärt so anschaulich, dass das Leben ein Kreislauf ist, wie der Garten. Nackter Boden wird von zunächst kleinen, dann immer größeren Pflanzen eingenommen, die irgendwann sterben und ihre Nährstoffe an den Boden zurückgeben. Na gut, wir Gärtner*innen mischen uns schon etwas ein, aber im Prinzip machen wir uns den natürlichen Kreislauf zu nutze. Wer ganz auf die Natur setzen möchte, sollte sich das Prinzip der Permakultur mal etwas genauer anschauen.

Permakultur – Was ist das?  

Permakultur ist eine Gestaltungsweise der Landwirtschaft, die die natürlichen Kreisläufe berücksichtigt und möglichst wenig menschliche Eingriffe erfordert. Also das ideale Konzept für faule Gärtner*innen wie uns! Der Begriff geht zurück auf den Australier Bill Mollison und seinen Schüler David Holmgren. Sie wollten den intensiven und ressourcenfressenden Anbau in der Landwirtschaft revolutionieren und eine nachhaltige ressourcenschonende Alternative bieten. Die beiden beobachteten die Vorgänge in der Natur sehr genau und versuchten diese in einer nachhaltigen Landwirtschaft anzuwenden. 1978 gründeten sie schließlich das erste Institut für Permakultur. 

 Da wir in unserem kleinen Garten eher selten mit Trecker rumfahren, sind die Eingriffe in die Natur etwas geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Trotzdem können wir uns einige Gestaltungsprinzipien der Permakultur zu Nutze machen und damit ein sich selbst regulierendes kleines Ökosystem erschaffen, das ohne Kunstdünger und Pestizide auskommt. Dafür muss man nur einige Grundprinzipien beachten

Bodenpflege

Wie wichtig ein guter Boden für eine gelingende Ernte und einen gesunden Garten ist, haben wir ja bereits besprochen. Es ist gut zu wissen, um welche Art Boden es sich in eurem Garten handelt, damit ihr entsprechende Pflanzen ansiedeln könnt. In der Permakultur wird oft die No-Dig-Methode angewandt. No-Dig ist englisch und steht eben für “nicht graben”. Alteingesessene Gärtner*innen gehen im Herbst oft übereifrig ans Werk und krempeln den ganzen Boden um. Das kann sinnvoll sein, wenn man schweren lehmigen Boden im Garten hat, aber in allen anderen Fällen ist diese Methode eher nachteilig. Jedes Mal wenn man den Spaten einsticht und den Boden umwirft, gerät das komplette Bodenleben durcheinander. Bis sich alle Krabbler wieder dort eingefunden haben, wo sie hingehören, vergeht schon etwas Zeit. Sinnvoller ist es, gar nicht erst zu buddeln. Damit der Boden aber schön locker und krümelig bleibt, sollte er immer bedeckt sein.

Für eine erfolgreiche No-dig-Anwendung, ist es sinnvoll regelmäßig zu mulchen. Zum Mulchen könnt ihr gejätetes Unkraut (sofern noch samenlos) oder Rasenschnitt verwenden. Stroh eignet sich ebenfalls, nur Rindenmulch sollte lieber nicht ins Beet, weil es den Boden versäuert. Wenn eure Böden abgeerntet sind, könnt ihr Gründüngung pflanzen oder die leeren Beete mit Gartenabfällen wie Laub und Staudenschnitt bedecken. Wenn ihr im Frühling alles auf den Kompost gebt, müsst ihr das Beet nur noch einmal durchhacken und fertig! No-Dig ist also definitiv geeignet für faule Gärtner*innen.

Ressourcenmanagement

Ihr kennt vielleicht die fünf Rs aus dem Zero-Waste-Bereich. Refuse, reduce, reuse, repair, recycle. Das sind auch Prinzipien für einen Permakulturgarten. Grundsätzlich sollen alle Ressourcen schonend behandelt werden.

Eine alte Palette eignet sich hervorragend als Salatbar
  • Refuse heißt verweigern, das heißt für mich im Garten z.B. dass ich keine künstlichen Dünger oder Pestizide verwende und nichts Neues kaufe, bis ich nicht gecheckt habe, ob man etwas auch anders ersetzen oder gebraucht kaufen kann.
  • Reduce (reduzieren) bedeutet im Permakulturgarten, den menschlichen Eingriff zu reduzieren und auch mit Ressourcen wie Wasser und Energie sparsam umzugehen. Wir haben zwar einen Brunnen mit elektrischer Pumpe im Garten, aber ich versuche so viel Regenwasser wie möglich aufzufangen, um das Grundwasser nur selten zu nutzen. Außerdem sorgt eine sparsame Bewässerung dafür, dass die Pflanzen kräftigere Wurzeln ausbilden und sich mehr anstrengen, selber ans Wasser im Erdreich zu kommen.
  • Reuse, also wiederverwenden ist gerade im Garten eine unglaublich kreative Angelegenheit. Alte Gummistiefel werden zu Pflanzbehältern, aus Kreuzworträtseln werden Anzuchtgefäße und ein altes Teeservice wir zur Vogeltränke. Ich habe einen wirklich gut ausgerüsteten Garten übernommen und habe noch keine größere Neuanschaffung tätigen müssen, weil ich immer etwas finde, was ich für meine Zwecke nutzen kann. Wiederverwenden könnt ihr gewissermaßen auch eure Pflanzen, indem ihr samenfeste Sorten kauft und das Saatgut sammelt. Auf Saatgutbörsen könnt ihr das gesammelte Saatgut tauschen und so eure “Samenbank” um ein paar Schätze erweitern.
  • Repair, versteht sich von selbst. Alles was kaputt geht, sollte natürlich repariert werden. Da kann man auch mal die älteren Gartennachbar*innen fragen, ob sie wissen, wie man einen Rasenmäher oder die kaputte Scheibe beim Gewächshaus repariert. Wenn etwas gar nicht mehr zu reparieren ist, sollte man überlegen, ob man es anderweitig im Garten nutzen kann. In letzter Instanz könnt ihr natürlich auch etwas Neues anschaffen. Wobei der Gebrauchtmarkt für Gartengeräte vorher auf jeden Fall auch einen Blick wert ist.
  • Unser letztes R steht für recycle, wobei man im Garten auch rot (verrotten) sagen kann. Alle Gartenabfälle (sofern sie nicht krank sind) sollten kompostiert und wieder an den Boden zurückgegeben werden, damit sich der Kreislauf auch schließen kann.

Mischkultur

Da wir uns bereits ausführlich der Mischkultur zugewandt haben, hier nur ganz kurz. In der Mischkultur setzt man Pflanzen zusammen, die sich gegenseitig positiv beeinflussen, indem sie z.B. Schädlinge voneinander fernhalten oder sich gegenseitig mit Nährstoffen unterstützen. Außerdem kann man die Pflanzen dichter nebeneinander setzen und so den Boden vor Verdunstung schützen, was wiederum dazu führt, dass man weniger gießen muss. Wer mehr zu Mischkultur wissen möchte kann hier schauen.

Gartenzonen

In einem großen Permakulturgarten teilt man die Flächen in einzelne Zonen. Im Kleingarten müssen wir keine Erdmassen bewegen, um Mikro-Klimazonen oder Ökosysteme zu gestalten. Ein Teich speichert zum Beispiel viel Wärme und natürlich auch Wasser und kann so einen ganz eigenen Lebensraum bieten. Eine größere Wasserfläche kann auch als Spiegelfläche dienen, um Licht in einen anderen Bereich des Gartens zu werfen. Eine Trockenmauer eignet sich als Wärmefalle und kann mediterranen Kräutern und wärmeliebenden Kriechtieren ein Zuhause bieten. 

Nützlinge

Ein weiteres Muss für den Perma-Garten sind Lebensräume für Nützlinge. Ein gut gebautes Insektenhotel ist ein schöner Anfang, ein großer Gartenteich die Königsdisziplin. Um Nützlinge in seinen Garten einzuladen, muss man vor allem eines tun, nämlich nichts! Wieder was für faule Gärtner*innen. Lasst ein paar Ecken in eurem Garten wild, damit sich Käfer, Eidechsen, Kröten und andere Krabbler dorthin zurückziehen können. Ihr könnt natürlich auch ein paar hilfreiche Elemente einbauen. Eidechsen und Schlangen fühlen sich in Steinhaufen wohl, Igel mögen geschützte Reisighaufen, Kröten verstecken sich ebenfalls gern und brauchen ein Laichgewässer. Je mehr Nützlinge ihr im Garten habt, desto besser werden die Schädlinge in Schach gehalten. Lasst beim Mähen ruhig mal ein paar Stellen aus und überlegt, ob ihr den Rasen auch in eine Wiese verwandeln könnt. Eure Garten sollte natürlich auch Nahrung für die einzelnen Bewohner bieten. Also pflanzt auch ein paar heimische Pflanzen, die Insekten anziehen.

Naturbeobachtung

Der wohl wichtigste Punkt für einen Permakulturgarten ist die Naturbeobachtung. Ihr solltet euch Zeit nehmen, euren Garten ganz genau kennenzulernen. Setzt euch mit einem Tee in der Hand eine Weile hin und beobachtet einfach. Wie verläuft die Sonne? Wo schwirren Insekten? Wo rascheln Eidechsen? Wo sammelt sich natürlicherweise Wasser? Wo gibt es Elemente, wie z.B. Hecken, Häuserwände, die man nutzen kann? Und macht auch mal eine Pflanzeninventur. Welches Kraut verbreitet sich wo? Es gibt Zeigerpflanzen, die euch viel verraten können. Eine gute Liste findet ihr bei Wikipedia

Permakulturelemente im Kleingarten

Hügelbeet

Ein Hügelbeet ist eine wunderbare Methode, um jede Menge Gehölzschnitt loszuwerden. Außerdem kann es recht viel Wasser speichern, was in unserer aktuellen Klimasituation sehr wertvoll ist. Wenn ihr ein Hügelbeet anlegen wollt, könnt ihr es wie ein normales Beet auf der Nord-Süd-Achse ausrichten. Ihr solltet eine Furche graben, die so lang wie das Beet wird und etwa 60 cm breit. Ihr könnt 1-2 Spaten tief gehen und sammelt den ausgehobenen Mutterboden auf einem Haufen. Den frisch gebuddelten Graben könnt ihr dann mit Gehölzschnitt auffüllen. Achtet darauf, dass die Abschnitte nicht zu frisch sind, da sie sonst wieder austreiben könnten. Als nächste Schicht könnt ihr Mist, umgedrehte Grassoden oder anderes organisches Material verwenden. Wenn ihr habt, könnt ihr jetzt noch eine Schicht Kompost drauf tun und zum Schluss alles mit dem gesammelten Mutterboden bedeckten. Auf dem Scheitel solltet ihr noch eine Rinne für das Gießwasser formen, damit nicht alles an den Seiten nach unten läuft. Bepflanzen könnt ihr das Hügelbeet nach den Regeln der Mischkultur. Oben können Starkzehrer wie Tomate oder Zucchini stehen, an den Seiten kleinwüchsige Pflanzen wie Buschbohnen, Erbsen oder Kräuter. Ein Hügelbeet kann mehrere Jahre verwendet werden, fällt aber durch den natürlichen Zersetzungsprozess nach und nach zusammen.*

Benjeshecke

Auch Benjes- bzw. Totholzhecken sind super geeignet, um Baum- und Strauchschnitt sinnvoll zu entsorgen. Der Name geht zurück auf die Brüder Hermann und Heinrich Benjes, die diese Idee in den 1980ern unter die Leute brachten. Eine Benjeshecke kann wie jede andere Hecke als Sichtschutz und Abtrennung dienen. Ein besonderer Bonus einer solchen Hecke ist, dass sie sehr schnell ein Eigenleben entwickelt. Die locker gestapelten Abfälle bieten Lebensraum für Vögel wie z.B. Amsel, Zaunkönig, Rotkehlchen; für Säuger wie Igel und Siebenschläfer; für Reptilien wie die Zauneidechse; Amphibien wie Erdkröten und natürlich Insekten. Die Vögel und der Wind bringen zudem auch noch Samen von Wildgehölzen und so soll im Laufe der Zeit eine ganz natürlich gewachsene neue Hecke entstehen. Wenn ihr so eine Totholzhecke anlegen wollt, braucht ihr Gartenabfälle und ein paar größere Äste, die angespitzt als Pfosten dienen, damit das gestapelte Gehölz nicht verrutscht. Ihr solltet darauf achten, zu stark wuchernde Pflanzen wie die Brombeere vorher auszusortieren, da diese sehr schnell alles überwachsen würde. Es kann außerdem passieren, dass Stauden wie Brennnessel und Goldrute Überhand nehmen, diese solltet ihr dann immer wieder runterschneiden, damit sie anderen Pflanzen nicht das Licht nehmen. Verwendet nur gesunde und schädlingsfreie Pflanzenteile. Wenn ihr Igeln ein Zuhause bieten wollt, fangt beim Stapeln mit großen Ästen an. Sehr lange Äste könnt ihr auch mit den Pfählen verweben, um dem Ganzen mehr Stabilität zu verleihen. Im Laufe der Zeit wird die Hecke durch natürliche Zersetzungsprozesse einsinken, dann könnt ihr wieder Sachen drauf stapeln. Irgendwann setzen sich dann die neu eingezogenen Wildpflanzen durch und ihr habt eine schöne neue Hecke.*

Das war nur ein kurzer Abriss zu dem komplexen Thema Permakultur. Wir wollten euch ein bisschen neugierig machen und hoffen, dass uns dies gelungen ist. Was mir so daran gefällt, ist das Denken in Kreisläufen und das man die Natur „einfach mal machen“ lassen kann. Man muss auch nicht seinen ganzen Garten nach diesen Prinzipien gestalten, eine kleine wilde Ecke ist auch schon viel wert.

Einige Infos hab ich aus dem empfehlenswerten Buch „Permakultur für Einsteiger“ von Andrew Mikolajski, München, Dorling Kindersley Verlag, 2019

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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