Lass liegen!

Warum wir keinen Herbstputz machen

So langsam wird auch der letzte Kürbis geerntet und draußen ist es nass und dunkel. Im Garten beschäftigen wir uns jetzt weniger mit Pflanzen, dafür mehr mit dem drumherum. Wenn ich durch die Nachbargärten gucke, fühle ich mich oft unter Druck gesetzt, meinen Garten aufzuräumen. In den Gärten der Anderen ist jedes Laubblatt weg geharkt, die Beete sind umgegraben und alles ist gestutzt. Auch wenn der Gruppenzwang auf uns lastet, wir machen keinen Herbstputz im Garten und wir wollen euch auch verraten warum.

Runterschnibbeln und zusammenkehren

Vor allem viele ältere Gärtner*innen wollen ihren Garten schön “aufgeräumt”. Ich habe ja hin und wieder schon erzählt, das über unseren Garten oft die Nase gerümpft wird, weil er “unordentlich” aussieht. In einer Kleingartenanlage kann unordentlich auch schnell zu einer Beschwerde beim Vorstand führen, weshalb viele Junggärtner*innen sich dem Gruppenzwang ergeben und es den Älteren gleichtun. Da wird jede Staude, jeder Strauch heruntergeschnitten, das Laub wird zusammen geharkt und vernichtet und die Beete werden brutal umgebrochen, sodass nur noch die blanke Erde zu sehen ist. Mich quält der Anblick eines solchen Gartens. Mal abgesehen davon, dass ich das nicht ästhetisch finde, ist es auch nicht sinnvoll. Es gibt auch so genug im Garten zu tun, da muss man sich doch nicht noch mit aufräumen quälen!

Warum nicht?

Es gibt wie immer gleich mehrere Gründe für’s Faulsein.

  1. Die Insekten lieben es!

Wir hatten bereits in der Folge “Tierischen Helfern helfen” darüber gesprochen, dass viele Insekten im Laub oder hohlen Stengeln von Stauden und Blumen überwintern. Damit sie das auch ungestört tun können, sollten wir eben nicht alles zusammenkehren und runterschneiden. Hier profitieren vor allem Wildbienen und Schmetterlinge, die wir so dringend für die Bestäubung brauchen. 

  1. Der Boden liebt es auch!

Boden ist in der Natur eigentlich immer bedeckt. Ist er das nicht, waschen sich Nährstoffe aus und die wertvolle Humusschicht verabschiedet sich mit dem nächsten Platzregen. Hier in Mecklenburg kann man das sehr gut auf den Äckern beobachten, die langsam aber sicher zu toten Wüsten werden. 

  1. Den Vögeln gefällt das auch ganz gut!

Wir können den Vögeln zwar Samen, Nüsse und Kerne anbieten, aber Würmer, Larven und Käfer haben wir doch eher selten im Schrank. Das ist auch gar nicht notwendig, denn unter Laub und Mulch finden auch die Insektenfresser unter den Vögeln noch den ein oder anderen leckeren Happen. Unter Laubhaufen, Flächenkompost und Mulch tummeln sich nämlich auch im Winter viele Krabbler (sofern es keine sibirische Kälte gibt).

  1. Die Nachbarn finden’s doof!

Und genau das sollte sich ändern. Ihr könnt mit gutem Beispiel vorangehen und die Mitgärtner*innen anstecken, etwas nachlässiger mit der Gartenpflege zu sein.

Do’s und Don’ts im Herbstgarten

Natürlich schließt man nicht einfach den Garten ab und kommt im Frühling wieder. Ein paar Sachen müssen oder können schon noch erledigt werden.

Laub

Laub kann man im Garten vielfältig gebrauchen und ihr solltet es wirklich nur vernichten, wenn der Baum krank ist. Ansonsten könnt ihr Laub auf den Beeten, zwischen den Stauden oder unter Beerensträuchern verteilen. Was ihr unbedingt vermeiden solltet, sind Laubsauger oder Laubgebläse. Wobei Ersteres noch schlimmer ist, da kein kleiner Krabbler das überlebt. Die Dinger machen Krach und berauben euch der wunderbar meditativen Aufgabe des Laubharkens. Überall wo Laub nicht stört, kann es liegen bleiben.

Rasen

Der Rasen sollte vom Laub befreit werden, da er sonst unansehnlich wird oder sogar erstickt. Ihr könnt den Rasen auch mähen, wenn schon Laub drauf liegt, das ergibt hervorragendes Mulchmaterial. Wir lassen unseren Rasen gerade verwildern, weshalb er nur noch stiefmütterlich gepflegt wird. Vor dem ersten Frost sollte der Rasen möglichst kurz geschnitten sein. Was ihr bitte bitte niemals tun sollt, ist den Rasenmähroboter abends in der Dämmerung laufen zu lassen. Die Dinger sind für Igel brandgefährlich!!! Sagt das bitte auch euren Verwandten und Nachbar*innen. 

Mulch

Der Herbst ist ein wahres Mulchfest! Alles was ihr so im Garten rausreißt, kann auf den Beeten liegenbleiben (bitte ohne Samen). Bestenfalls könnt ihr grobe Gartenabfälle vorher häckseln, dann sind sie im Frühling schon recht gut zersetzt. Eine Mulchschicht bietet Insekten Unterschlupf und Bodenlebewesen eine warme Zudecke und leckeres Futter. Verwendet kein Rindenmulch aus dem Baumarkt, da dieses bei der Zersetzung viel Stickstoff verbraucht und oft mit Pestiziden belastet ist. Sollte euch das Mulchmaterial ausgehen, fragt doch mal bei den ordnungsliebenden Nachbar*innen nach 😉

Boden

Wir haben im Permakultur-Beitrag schon mal über die No-Dig-Methode gesprochen. Das bedeutet eigentlich nur, dass man den Boden möglichst nicht umgräbt. Wir haben es ja schon erwähnt, in vielen Fällen ist es überhaupt nicht notwendig das Bodenleben mit dem Spaten aufzuwirbeln. Nur wer sehr schweren Lehmboden hat, kann sich die sogenannte Frostgare zu Nutze machen. Dabei wird der schwere Boden umgegraben und die großen Lehmklumpen sollen dann vom Frost buchstäblich gesprengt werden. Wenn ihr aber sandigen oder humosen Boden habt, reicht es diesen mit Mulch, Flächenkompost oder Gründung zu bedecken. So bleibt das Bodenleben aktiv und wichtige Nährstoffe werden nicht mit dem Regen davongespült.

Stauden

Stauden müssen nicht zwangsläufig vor dem Winter geschnitten werden. Ich stelle mir immer vor, dass in der Natur auch keiner mit der Schere vorbeikommt und die ja trotzdem überleben. Außerdem sehen manche Stauden im Winter ganz zauberhaft aus und geben dem Garten tolle Strukturen. Hin und wieder wird schon ein Stengel vom Wind oder von der Nachbarskatze abgebrochen und darin können dann Bienen und andere Insekten überwintern. Ihr könnt natürlich auch nachhelfen und die Blumen einfach “köpfen”.  Im Frühfrühling ist noch genug Zeit, alles kurz zu schneiden und auf frisches Grün zu warten. 

Die Vorteile liegen auf der Hand. Durch nachlässiges Handeln könnt ihr mal wieder einen wertvollen Beitrag zum Schutz des Ökosystems beitragen. Ihr müsst euch nicht bei nasskaltem Wetter auf allen Vieren durch den Garten quälen, um alle Pflänzchen dicht am Boden abzuschneiden, sondern könnt auf die erste Sonnenstrahlen im Frühling warten, bei denen es auch viel mehr Spaß macht, im Garten zu werkeln. Die Pflanzen verlieren über den Winter auch viel Feuchtigkeit, was bedeutet, dass es im Frühling leichter ist sie wegzuräumen. Der Teil der Pflanzen, den ihr als Mulch habt liegen lassen, wird sogar schon teilweise kompostiert sein, also noch weniger aufzuräumen! Und der Boden unter dem Mulch ist feinkrümelig und fertig zum Einsäen. 

Das hier ist natürlich nur eine Empfehlung und ihr könnt es halten wie ihr möchtet. Wir wollen unsere Leidenschaft für’s faule Gärtnern einfach teilen und euch vielleicht dazu inspirieren, das ein oder andere Blättchen liegen zu lassen. 😉

Quellen:

Joachim Brocks – Richtig einwintern im naturnahen Garten, avBUCH im Cadamos Verlag 2015

Six reasons to NOT clean up the garden this fall

LH 116: Don’t Do Fall Garden Clean Up!

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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