Tierischen Helfern helfen

Wir müssen uns wohl oder übel eingestehen, dass der Sommer vorbei ist. Dafür kommt jetzt die Zeit der Gummistiefel, Flanellhemden und des Kakaotrinkens. Das ist auch genau die Zeit, in der unsere tierischen Garten- und Balkonbewohner*innen nach Winterquartieren Ausschau halten. Wir wollen heute darüber reden, wie man Igel, Kröte und co. dabei unterstützen kann.

Warum brauche ich tierische Unterstützung beim Gärtnern?

Spätestens seit der anhaltenden Diskussionen um unsere Bienen, ist fast jedem Menschen klar geworden, wir sind von Insekten abhängig. Bienen und andere Insekten bestäuben unsere Pflanzen und ohne diese Mammutleistung, sähe es mager auf unseren Tellern aus.

Durch eine wirklich tolle Aufklärungsarbeit wissen viele schon, dass man heimische Blumen und Kräuter pflanzen soll, um Insekten anzulocken. Das funktioniert inzwischen so gut, dass in Städten mehr Futter für die kleinen Flieger*innen da ist, als auf dem Land. Haben wir viele Insekten im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon, folgen meist auch Vögel. Auch Vögel sind häufig bedroht, weil sie weniger Futter finden und Gefahren wie Verkehr und Windrädern ausgesetzt sind. Auch ihnen sollte man geschützte Orte und Futter anbieten. Sie danken es einem oft damit, dass sie auch schädliche Insekten fressen. Während man auf einem Balkon platztechnisch schnell an Grenzen stößt, kann man in den Garten auch noch Kriechtiere, Lurche und Säugetiere einladen. Alle zusammen helfen dabei, ein funktionierendes, selbstregulierendes System aufzubauen, in das wir als Menschen letztendlich weniger eingreifen müssen.

Insekten 

Wie man Insekten anlockt, scheint ja gemeinhin bekannt zu sein. Leckere Blümchen pflanzen, die heimisch sind und viele Pollen liefern, mit denen der Nachwuchs versorgt werden kann. Aber man lebt ja nicht vom Brot allein. Auch Insekten brauchen Wohnungen. Dabei muss es nicht immer gleich das achtstöckige Insektenhotel sein, oft reicht es schon unserer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und nichts zu tun. Schmetterlingslarven fühlen sich zum Beispiel im Brennnesseldickicht richtig wohl. Auch Fallobst ist ein wahrer Leckerbissen für Schmetterling, Wespe und co. Unaufgeräumte Ecken, an denen auch Wildkräuter hüfthoch wachsen dürfen, bieten gute Bedingungen für deren Kinderstube. Auch Hecken eignen sich gut als Wohnstätte, zumindest wenn man sie die meiste Zeit des Jahres in Ruhe lässt. Viele Falter überwintern gern etwas geschützt unter dem Schuppendach oder in Kellerräumen. Wenn man Schmetterlinge im Winter entdeckt, sollte man sie einfach dort lassen, sie wachen im Frühling wieder auf. Viele Käfer überwintern im Boden oder in Fensterritzen. Marienkäfer findet man manchmal zu hunderten, wenn man das Laubenfenster öffnet. Auch wenn sie aussehen, als wären sie tot, auch sie erwachen im Frühling wieder. Bienen nehmen gern hohle Pflanzenstängel, morsche Äste oder auch Nisthilfen in Anspruch. Wenn ihr also gerade daran denkt, den Garten winterfest zu machen, lasst Laubhaufen liegen, schneidet Stauden nicht runter und mäht die Wiese nicht mehr. Auch auf dem Balkon könnt ihr Pflanzen einfach stehen lassen, Bündel mit Markholz (z.B. Holunder) auslegen oder eine Nisthilfe aufhängen. Bienen nehmen gern hohle Stängel an, die ihr zum Beispiel einfach in eine alte Konservendose stecken könnt.

Vögel

Auch Vögel sind meist gern gesehene Gäste im Garten oder auf dem Balkon. Auch wenn sie uns hin und wieder eine Traube klauen, sind sie doch oft recht nützlich. Außerdem finden viele Vögel zu wenig Nahrung, weshalb es sinnvoll ist, ihnen ein paar Leckerbissen anzubieten. Die meisten Vögel, die wir im Siedlungsbereich vorfinden sind Kulturfolger, sie fühlen sich also in unserer Nähe wohl und profitieren davon. Meine Lieblinge sind die dicken Spatzen in den Fußgängerzonen, die einem die Pommes am liebsten aus der Hand picken würden. Pommes sind natürlich nicht die beste Wahl. Als Vogelfutter nimmt man am besten fertige Mischungen (im Winter gern auch mit Fett) oder hebt selber Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Nüsse auf. Je vielfältiger die Futterauswahl ist, desto mehr verschiedene Arten werdet ihr beobachten können. Ob das Winterfutter in einem chinesischem Miniatur-Teehaus oder auf einer alten Untertasse angeboten wird, ist den Vögeln vermutlich egal. Es sollte nur so positioniert sein, dass die Piepmätze gut landen und sitzen können und das Futter bei Regen nicht zu nass wird. Außerdem sollte der Ort katzensicher sein. Am Futterhaus lassen sich dann Goldammer, Feldsperling, Haubenmeise,Gimpel und co. beobachten. Wenn ihr einen Garten habt, lasst den Vöglein Sonnenblumen und Brennnesseln stehen und hängt hin und wieder einen Apfel in den Baum. Ich lasse den Vögeln immer ein paar Beeren dran und auch die Hagebutten dürfen sie sich im Winter holen. Wer langfristig etwas für Vögel tun möchte, kann seine Hecke mit heimischen Sträuchern bepflanzen, diese bieten den Vögeln Schutz, Wohnraum und Nahrung. 

Ansonsten freuen sich Vögel auch sehr über eine Vogeltränke bzw. ein Vogelbad. Hier reicht oft schon eine flache Schale mit niedrigem Rand (3-4 cm). Das Gefäß sollte eine unauffällige Farbe haben und nicht zu glatt sein (unlasiert). Wenn ihr noch ein paar Steine mit in die Schale legt, können auch Insekten gefahrlos vom Wasser trinken.

Die einfachste Variante wäre ein Blumentopfuntersetzer aus Ton (Durchmesser 20-30cm) der auf einen umgedrehten Blumentopf geklebt wird. Kontrolliert regelmäßig, ob genügend Wasser drin ist und haltet das Bad im Winter eisfrei. Vögel baden gern dicht am Boden, allerdings sollte auch hier auf Katzen geachtet werden. 

Kriechtiere und Lurche

Auch wenn sie dem ein oder anderen vielleicht nicht so behagen, sind auch Lurche und Kriechtiere wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Für ihren Arterhalt sind die Tiere auf Laichgewässer angewiesen, wobei sie oft auf dem Weg dorthin unter einem Autoreifen landen. Wer also Platz für einen Gartenteich hat, kann einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Kriecher leisten. Vor allem für Kinder ist es spannend die Entwicklung von der Kaulquappe zum Frosch zu beobachten. Ein Teich zieht nebenbei auch noch andere Besucher wie Libellen, Wasserläufer und Käfer an, die ebenfalls spannend zu beobachten sind. Rund um den Teich sollte es außerdem vernachlässigte Ecken geben, in denen Kröten und co. in Ruhe in ihrer Winterstarre verharren können. Also auch hier wieder die Devise, bloß nicht aufräumen!

Wer keinen Teich anlegen kann, kann trotzdem Schuppenkriechtiere wie z.B. Eidechsen oder Ringelnattern in den Garten einladen. Auch hier gibt’s oft Berührungsängste, wobei unsere heimischen Echsen und Schlangen eher ungefährlich sind. Außerdem fressen sie Plagegeister wie Schnecken, was sie doch zum netten Gast macht. Reptilien lieben Wärme, auch ein Grund, warum es bei uns nicht so viele gibt. Gerade Eidechsen sieht man oft mit dem Gesicht zur Sonne auf Steinen sitzen. Solche Sonnenbänke können wir auch im Garten oder auf dem Hinterhof errichten. Am einfachsten ist es, einen Steinhaufen aufzuschütten. Der bietet Versteckmöglichkeiten und einen Platz an der Sonne und wird sowohl von Eidechsen, als auch von Schlangen frequentiert.Steine haben für Reptilien außerdem den Vorteil, dass sie sehr viel Wärme speichern. Wer etwas mehr Zeit investieren möchte, kann auch eine Trockenmauer bauen. Trockenmauern bieten nicht nur Reptilien sondern auch Asseln, Spinnen und Kleintieren ein Zuhause. Auch kleine Holzhaufen bieten ein gutes Versteck für Ringelnatter und Eidechsen und sind bester Wohnraum für Käfer und andere Krabbler.

Säugetiere

Den meisten fällt hier wohl sofort der Igel ein, weil er mit Abstand der beliebteste Gast im Garten oder auf der Terrasse ist. Jetzt macht der Igel sich auch langsam auf die Suche nach einem netten Winterquartier, das trocken, kuschelig und katzensicher ist. Ein locker aufgeschütteter Reisighaufen mit einer dicken Laubschicht darüber, reicht da oft schon aus. Die Geschickteren unter euch können auch ein Igelhaus bauen und die Kleinsäuger gezielt mit Futter (Mehlwürmer, Katzenfutter, Obst) dort hinein locken.

Igel stehen zwar auf kurzen Rasen, ansonsten darf es aber eher unaufgeräumt sein. Wichtig ist, dass es Verbindungsmöglichkeiten zwischen den Gärten gibt, damit die Tiere sich in größeren Gebieten bewegen können. Da reicht schon ein kleines Loch im Zaun. Um Igel zu schützen solltet ihr offene Kellerschächte oder andere Löcher im Boden abdecken. Auch in den Boden eingelassene Pools können dem Igel gefährlich werden und sollten lieber abgedeckt werden. 

Die meisten anderen Säuger empfinden wir oft eher als störend im Garten, wobei auch Maulwurf und Wühlmaus ihre Daseinsberechtigung haben. Dass wir diese aber nicht direkt in den Garten einladen möchten, ist natürlich klar. Anders sieht es mit Fledermäusen aus. Sie sind zwar nicht die beliebten Kuscheltiere, aber auch sie tragen zum Erhalt des Ökosystems bei. Um Fledermäuse zu unterstützen, solltet ihr vor Renovierungen im Dachstuhl Bereich sehr gründlich nachsehen ob da bereits Fledermäuse wohnen. Und wenn ja die Renovierung auf den Sommer verschieben. Fledermäuse wechseln nach Jahreszeiten den Wohnort. Wenn ihr keine frei zugänglichen Nischen oder Dachböden habt, könnt ihr auch Fledermauskästen an Bäumen oder Hauswänden aufhängen. Bauanleitung findet ihr oft auf den Seiten des BUND oder des NABU. Solltet ihr sehr ländlich wohnen, habt ihr vermutlich auch Besuch von Hase und Fuchs. Diese solltet ihr möglichst in Ruhe lassen, wobei natürlich gerade Hasen einen großen Schaden im Garten anrichten können. In diesem Fall kann nur ein Zaun etwas helfen.

Wir hoffen, ihr habt jetzt Lust euren Balkon oder Garten in eine WG zu verwandeln. Mit Piepmatz, Biene und Co. als Mitbewohnern habt ihr auf jeden Fall weniger Stress mit Plagegeistern und euer Obst und Gemüse wird zuverlässig bestäubt. Falls ihr noch Tipps oder Erfahrungen habt, die ihr gern teilen wollt, macht das gern in den Kommentaren! Wir freuen uns über Feedback und Input 🙂

Quellen:

Emma Hardy – Der Garten als Paradies für Wildtiere ; AT Verlag 2017

Michael Lohmann – Unser Garten ein Tierparadies; blv Buchverlag 2009

NABU

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