Kürbis

– von der Anzucht bis zur Halloweenlaterne –

Während das Riesengemüse in Südamerika bereits auf eine 10.000 jährige Tradition zurückblickt, ist es bei uns noch relativ neu im Regal. Seit dem 16. Jahrhundert wächst er auch hier bei uns auf dem Acker, in unsere Kochtöpfe hat der Kürbis es aber erst im 20. Jahrhundert geschafft. Am beliebtesten sind wohl die Sorten gelber Zentner, das ist der Riesenkürbis, aus dem ihr die Halloweenfratzen schnitzt und der Hokkaido, der vor allem wegen seiner leichten Handhabung gern verwendet wird. Wir haben in unserem Garten auch Hokkaido, weil wir nur zu zweit sind und der eine gute Größe hat (man will ja nicht jedes Mal sieben Liter Suppe kochen). Wie und wo ihr Kürbis selber anbauen könnt, welche Nachbarn er gerne hat, wie ihr ihn pflegt, düngt, vermehrt und lagern könnt, lest ihr hier.

Anzucht

Mit der Anzucht von Kürbissen könnt ihr zwischen April und Mai auf dem Fensterbrett beginnen. Ich tendiere immer dazu, viel zu früh zu starten, aber reißt euch lieber zusammen, denn die Schützlinge wachsen recht schnell und nehmen dann viel Platz auf dem Fensterbrett in Anspruch. Je nach Wetter würde ich Mitte-Ende April als Anzuchtszeit empfehlen. Das Saatgut steckt ihr dazu 1-2 cm tief in nährstoffarme Anzuchterde. Ich nehme immer gleich recht große Anzuchttöpfe, weil der Kürbis so schnell wächst. Wenn ihr größere Töpfe nehmt, könnt ihr unten normale Gartenerde einfüllen und nur die oberen 4-5cm mit Anzuchterde füllen, dann hat der Kürbis schon ein Nährstoff-Starterkit. Nach ungefähr 8 Tagen sollte sich das erste Blättchen zeigen. Ab Mitte Mai können die Zöglinge raus. Am besten erst nach den Eisheiligen (ich weiß wovon ich spreche). 1-2 Wochen vor dem Auspflanzen solltet ihr die Pflänzchen tagsüber nach draußen stellen, damit sie sich ans Klima gewöhnen. Wichtig dabei, nicht direkt in die Sonne!

Wenn ihr mehr zu Anzucht wissen wollte, könnt ihr mal in unserem Pflanzenkindergarten vorbeischauen!

Anbau

Kürbisse sind Starkzehrer. Das heißt, dass sie relativ viele Nährstoffe brauchen. Ihr habt von alteingesessenen Gärtnern vielleicht schonmal gehört, dass man einen Kürbis am besten in der Nähe des Komposthaufens parkt. Das kann ich nur bestätigen, dort kann er das Sickerwasser des Haufens aufnehmen und ist so bestens versorgt. Bei uns hat sich dieser Platz allerdings nicht bewährt, da dort der Schneckenhotspot schlechthin ist. Innerhalb von zwei Nächten waren die kleinen Pflanzen förmlich niedergemetzelt. Er kann aber auch an jedem anderen Ort gepflanzt werden, sofern ihr ein relativ geschütztes sonniges Plätzchen übrig habt. Wobei Plätzchen vielleicht etwas untertrieben ist, denn Kürbisse beanspruchen recht viel Platz für sich, plant ungefähr 1,50mx1,50m. Außerdem mögen Kürbisse eine gute und gleichmäßige Wasserversorgung. Durch die großen Blätter verdunstet recht viel Wasser, deswegen solltet ihr hin und wieder gießen. Wichtig ist, dass dort vorher keine Starkzehrer standen wie z.B. Tomaten, Kartoffeln, Paprika oder Verwandte des Kürbis wie z.B. Zucchini oder Gurke.

Gute NachbarnSchlechte Nachbarn
Bohnen, Mais, ZwiebelGurken, Kartoffeln, Zucchini
hier geht’s zum Artikel zur Mischkultur

Milpa-Beet
Die “Drei Schwestern” oder auch das „Milpa-“ bzw. „Indianerbeet“, ist eine uralte Form der Mischkultur, wahrscheinlich auf die Maya oder Azteken zurückzuführen.
In so ein Beet pflanzt man Mais, Bohnen und Kürbis, wobei jedes Gemüse eine bestimmte Aufgabe übernimmt. Die Pflanzen unterstützen sich z.B. gegenseitig mit Halt, Schatten und Nährstoffen. Man muss so ein Beet kaum wässern, was in unseren Dürre-Sommern wirklich ein Segen ist. Auch düngen braucht man kaum, weil die Bohnen an ihren Wurzeln mit Hilfe von Bakterien Stickstoff binden, welcher dann dem Kürbis und dem Mais zur Verfügung steht. Weil alle dieser Pflanzen recht wärmeliebend sind, solltet ihr so ein Beet erst Ende Mai bestücken. Ihr könnt natürlich Mais und Kürbis auch schon Vorziehen und dann Ende Mai ins Beet pflanzen. Bei Bohnen ist eine Direktsaat zu empfehlen, damit sie gleich gut anwurzeln.

Kübel oder Beet?

Leider ist der Kürbis nicht die ideale Balkonpflanze. Ich hab das mal versucht und es waren auch kleine Kürbisse dran, aber Trockenheit und Mehltau haben dem schnell ein Ende gemacht. Ihr könnt es aber trotzdem ausprobieren. Ihr braucht einen recht großen Behälter, wahrscheinlich mindestens 50 Liter. Vielleicht eine alte Zinkwanne. Unten solltet ihr eine Drainageschicht aus Tonscherben oder Kies einfüllen, darüber ein Vlies legen und dann mit Gemüseerde (bio, torffrei) aus dem Baumarkt aufschütten. Den Kürbis dann in die Mitte setzen und regelmäßig gießen. Nehmt lieber eine kleine Sorte wie Butternut oder Hokkaido. Da das Balkongärtnern ziemlich angesagt ist, gibt es bereits extra-kleine Züchtungen wie zum Beispiel den roten Mini Hokkaido.

Pflege

Meine Philosophie ist, wenn man nicht hinguckt, wächst es am besten. Beim Kürbis ist das manchmal sogar zu viel des Guten. Sollte euer Kürbis sich zu breit machen und seine ganze Kraft ins Ranken stecken, könnt ihr einige Ranken abschneiden, damit er sich auf die Früchte konzentriert. Düngen könnt ihr mit Kompost oder verdünnter Brennnesseljauche. Wenn ihr beides nicht habt, tut es auch ein Bio-Gemüsedünger. Düngt am besten bei der Pflanzung, z.B. durch Zugabe von Kompost ins Pflanzloch und während der Fruchtbildung. Damit die Früchte keine fauligen Stellen bekommen, könnt ihr ein Brett oder eine Matte darunter legen. In meinem Garten sind die größten Feinde des Kürbisses Mehltau und Schnecken.

Mehltau ist hier ohnehin mein ständiger Begleiter. Zucchini, Gurke und Kürbis sind befallen. Ich hab in diesem Jahr zum ersten Mal versucht, die befallenen Blätter mit verdünnter Buttermilch zu spritzen und das hat auch ganz gut geklappt. Der Mehltau verschwindet davon zwar nicht, aber die Mikroorganismen aus der Buttermilch besetzen die Blattoberfläche und der Pilz kann sich schlechter ausbreiten. Leider musste ich im Urlaub dann für drei Wochen unterbrechen und da konnte sich der Mehltau schön verteilen. Naja zu Krankheiten und Schädlingen sollten wir vielleicht auch noch mal eine Extra-Folge machen.

Ernten und Lagern

Der Kürbis ist reif, wenn er beim Draufklopfen hohl klingt, sagt man zumindest. Wer sich statt auf seine Ohren lieber auf seine Augen verlassen möchte, sollte die Stiele im Blick behalten. Diese verholzen nämlich und ihr könnt den Kürbis am Stielansatz abschneiden. Lasst also ein gutes Stück Stiel an der Frucht, damit Bakterien und Pilze nicht gleich ins Fruchtfleisch eindringen können. Geht behutsam vor, jede Verletzung beeinträchtigt die Lagerfähigkeit. Ein Kürbis kann bei 15 Grad gelagert werden. Erntet möglichst spät im Herbst, das verlängert die Lagerzeit. Der Lagerort sollte dunkel und gut durchlüftet sein. Ihr könnt die Kürbisse in luftigen Kisten oder Netzen aufbewahren. Bei diesen Bedingungen halten sie oft monatelang. Wer richtig lange was davon haben will, kann das Kürbisfleisch klein schneiden, kurz blanchieren und dann einfrieren.

Vermehrung

Bei Kürbisgewächsen ist das so eine Sache mit der Vermehrung. Wenn ihr den Kürbis in einer Gartenanlage anbaut, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch eure Nachbarn Kürbisse, Zucchini oder Melonen im Garten haben. Wenn so eine dicke Hummel dann erst beim Zierkürbis des Nachbarn war und danach an euren Butternut geht, kann es leicht zu einer Verkreuzung kommen. Das bedeutet, dass die in der Frucht gebildeten Samen in der nächsten Generation keinen reinen Butternutkürbis mehr hervorbringen. Man kann dem entgegenwirken, in dem man weibliche Blüten isoliert und dann per Hand bestäubt. Wenn ihr das ausprobieren wollt, recherchiert lieber nochmal nach. Ich habe das noch nie ausprobiert. Ich habe schon Samen von gekauften Hokkaidos ausgesät und das hat super funktioniert. Wenn ihr im Laden oder auf dem Markt einen Kürbis kauft, stammt der wahrscheinlich von einem großen Feld, auf dem nur Pflanzen derselben Sorte stehen, womit eine Verkreuzung recht unwahrscheinlich ist. Solltet ihr Pech haben und doch keinen reinen Kürbis gesät haben, schmeckt oder seht ihr das. Wenn der Kürbis bitter ist, lieber weg damit. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, kauft lieber Bio-Saatgut beim Fachhändler, da geht selten was schief. Wir haben auch noch einen ganzen Beitrag zur Vermehrung von Pflanzen, falls ihr darüber mehr wissen wollt.

Und last but not least

Lieblingsrezepte

Kürbis-Gnocchi-Auflauf

  • 300g Kürbis (z.B.Hokkaido)
  • 300g Bio-Hack (könnt ihr natürlich auch weglassen oder durch euer Lieblings-Protein ersetzen)
  • 400g Gnocchi (frisch bzw. vorgegart)
  • 1 Mozzarella
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 100g Crème fraîche
  • 150ml Brühe
  • Gewürze Salz, Pfeffer, Curry, Kurkuma, Chilipulver
  • etwas Tomatenmark

Zwiebel hacken und in Öl anschwitzen. Das Hackfleisch, falls ihr welches möchtet, zugeben und mitbraten. Mit Gewürzen und Knoblauch abschmecken. Das Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten. Die Gemüsebrühe angießen und den in Würfel geschnittenen Kürbis zugeben. Deckel drauf und 5 Minuten köcheln lassen.

Danach Crème fraîche und die Gnocchi zugeben, alles gut miteinander vermischen. Alles in eine Auflaufform füllen und den Mozzarella in Scheiben schneiden und darüber verteilen.

Im vorgeheizten Backrohr bei 180 °C Ober-/Unterhitze ca. 15-20 Minuten backen.

Kürbissuppe

  • 1 Hokkaido
  • 3 Kartoffeln
  • 3 Möhren
  • 2 Äpfel
  • 1-1,5 l Gemüsebrühe
  • 1-2 Zwiebeln
  • 200g Frischkäse (optional)

Gemüse kleinschneiden, wobei ihr euch nicht zu viel Mühe geben müsst, denn am Ende wird püriert. Öl in einem großen Topf erhitzen und darin die gewürfelte Zwiebel anschwitzen. Dann das Kürbisfleisch, die Möhren, Kartoffeln und Äpfel dazugeben und kurz mit anbraten. So viel Gemüsebrühe dazu geben, dass das Gemüse gut bedeckt ist. Das ganze dann ca. 15 Minuten kochen. Etwas abkühlen lassen, eventuell mit weiteren Gewürzen abschmecken und dann pürieren. Zum Schluss dann den Frischkäse einrühren.

Dieses Basisrezept könnt ihr beliebig abwandeln und nach eigenem Gusto erweitern. Lasst es euch schmecken!

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2 Replies to “Kürbis”

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