Pflanzen vermehren

Klonen für Anfänger*innen

Durch Gärtnereien schlendern oder im Winter bei einer schönen Tasse Tee einen Saatgutkatalog durchblättern sind wahre Gärtner*innenfreuden. So ein Garten bietet einem ja die Möglichkeit Sorten anzubauen, die man im Supermarkt niemals bekommen würde, weil sie für konventionellen Gemüsebau nicht geeignet sind. Das hat den Vorteil, dass wir auf unsere Standortbedingung angepasste Sorten bekommen können. Haben wir die perfekte Sorte entdeckt, wollen wir sie natürlich behalten, vermehren, verschenken und die gute Nachricht ist, dass ist in ganz vielen Fällen auch möglich!

Warum soll ich Pflanzen vermehren?

  1. Man spart Geld
  2. Es ist nachhaltig
  3. Man rettet alte Sorten
  4. Pflanzen passend zu Standortbedingungen
  5. Es ist ein rebellischer Akt gegen große Saatgutmonopole
  6. Es macht Spaß!

Wie geht das mit den Bienen und den Blumen? 🐝🌼

Kurzer Ausflug in den Bio-Unterricht. Man unterscheidet zwei Arten der Vermehrung

vegetative Vermehrung

ist im Prinzip das Klonen einer Pflanze. Die Ethikkomission des Pflanzenrates scheint das alles etwas lockerer zu nehmen und so können Pflanzen sich schon seit Ewigkeiten durch die Bildung von Klonen fortpflanzen. 

generative Vermehrung

ist die Beischlafvariante der Vermehrung. Mutti und Vati mischen ihre Gene und heraus kommt ein ganz neues Individuum. Hierbei ist es hilfreich, die Mendelschen Gesetze zu kennen, um zu erahnen, welche Kombinationen in der Tochtergeneration möglich sind.

Pflanzen vegetativ vermehren

Ich habe ja schon mal von meinen Geranien erzählt, die mein Gärtnerinnenherz erst so richtig entfacht haben. Mit genau diesen Geranien hatte ich einen “life changing” Moment. Beim Gießen ist mir ein ziemlich großes Stück von der Geranie abgebrochen und weil es zu schön zum Wegwerfen war, hab ich es einfach wieder in die Erde gesteckt. Nach ein paar Wochen war ich ziemlich verwundert, warum das Stück nicht längst welk ist und siehe da, das Ding hat Wurzeln! Bämm! Ich habe sozusagen vegetativ vermehrt by accident! Pflanzen können auf ganz verschiedene Arten vegetativ vermehrt werden.

Teilung

Es gibt viele Pflanzen, darunter vor allem mehrjährige Kräuter, die man durch Teilung vermehren kann. Dazu grabt ihr einfach die komplette Pflanze aus und teilt den Wurzelballen mit einem scharfen  Messer oder dem Spaten in untertassengroße Stücke. Bei einigen Pflanzen wie z.B. Rhabarber empfiehlt es sich besonders, da man diese durch die Teilung wieder verjüngen kann und sie dann besser gedeihen als vorher. Zur Teilung eignen sich zum Beispiel Schnittlauch, Minze und viele Stauden. Der richtige Zeitpunkt zur Teilung variiert von Pflanze zu Pflanze, man sollte aber extreme Wetterlagen wie Dürre oder Frost vermeiden. Meist bieten sich Frühling oder Herbst an.

Stecklinge 🌿

Krautige und holzige Pflanzen lassen sich gut über Stecklinge vermehren. Vor allem ausdauernde Kräuter wie Rosmarin oder Lavendel kann man so vervielfachen. Auch Heckengehölze lassen sich häufig über verholzte Stecklinge vermehren. Für einen Steckling einer krautigen Pflanze braucht ihr ein etwa 7-9 cm langes Stück mit mindestens drei Blattpaaren. Verholzte Stecklinge können zwischen 10 und 15 cm lang sein. Im besten Fall sind die Stücke blütenlos und sie sollten, um die Verdunstung einzuschränken, nicht zu viele Blätter haben. Ihr könnt Blüten und Blätter auch einfach entfernen. Die zugeschnittenen Stecklinge kommen dann in nährstoffarmes Substrat und werden feucht gehalten. Bei Kräutern könnt ihr auch noch eine Tüte drüber stülpen, um die Feuchtigkeit zu erhöhen. Nach vier Wochen könnt ihr checken, ob sich wurzeln gebildet haben. Ich hab auch schon mal einfach Rosenabschnitte in einen Maulwurfshaufen gesteckt und dann ein paar Wochen vergessen. Selbst mit dieser Nachlässigkeit haben sich bei einigen Stecklingen Wurzeln gebildet. Auch Tomaten lassen sich über diese Methode vermehren. Man kann einfach Geiztriebe, die man ausgeknipst hat in Wasser stellen und Wurzeln lassen, fertig ist der Klon! Das hat auch den Vorteil, dass ihr F1-Hybride vermehren könnt. Gerade bei Tomaten haben sich viele Hybridzüchtungen durchgesetzt und würde man Saatgut von diesen Pflanzen nehmen, käme nicht mehr die gleiche Pflanze dabei heraus. Ihr erinnert euch vielleicht noch an die Mendelschen Gesetze aus dem Biounterricht. Mit einem Klon habt ihr natürlich das identische Erbgut und somit dieselbe Pflanze. Ob ihr eine F1-Hybride habt, erfahrt ihr auf der Saatgut Packung. 

Absenker/Ableger

Manche Pflanzen machen es uns besonders einfach. Wenn ihr eure Erdbeeren gut beobachtet, fällt euch wahrscheinlich schnell auf, dass sie sehr gerne Ausläufer bilden, um sich zu vermehren. Als Gärtner*in muss man die eigentlich nur nehmen und woanders eingraben. Ich mach das so, dass ich schon im Sommer die besten Pflanzen aussuche und sobald diese Ableger bilden, stecke ich diese in kleine Töpfe. Ich schneide sie allerdings noch nicht von der Mutterpflanze ab. Das mache ich erst im Herbst und da haben die kleinen meist schon richtig gute Wurzelballen gebildet und ich kann kräftige neue Jungpflanzen ansiedeln. 

Viele Beerensträucher lassen sich über Absenker vermehren. Ihr könnt einfach einen Ast mit einem Zelthering am Boden fixieren, etwas Erde darauf geben und abwarten. Nach einer Weile haben sich Wurzeln gebildet und ihr könnt den Klon von der Hauptpflanze abschneiden und woanders hinpflanzen.

Pflanzen generativ vermehren

Der Frühherbst eignet sich bestens, um Samen von Pflanzen zu sammeln, da viele jetzt ausgeblüht haben und volle Samenstände anbieten. Wer also seine eigenen Pflanzen auch im nächsten Jahr wieder anbauen möchte, sollte jetzt zuschlagen. Die Vorteile liegen auf der Hand, wer eigenes Saatgut vermehrt spart Geld, hat an sein Mikroklima angepasste Sorten und tut etwas für den Erhalt alter Sorten. 

Welches Saatgut?

Aber nicht alle Pflanzen eignen sich.

Wie bereits erwähnt, können F1-Hybride nicht auf diese Weise vermehrt werden. Diese Hybride werden von Profis gezüchtet und ausgelesen. Ihr könnt Samen von F1-Hybriden zwar verwenden, aber die Pflanzen die dabei herauskommen haben andere Eigenschaften. Ihr hättet dann sozusagen die F2-Generation. Das kann durchaus spannend sein, es können aber auch schwache oder ungenießbare Pflanzen dabei herauskommen. Ob eine Sorte eine Hybridzüchtung ist, muss auf der Saatgutverpackung ausgewiesen sein.

Wenn ihr euer eigenes Saatgut verwenden wollt, solltet ihr also auf den Hinweis “samenfest” oder “sortenfest” achten. Dieses Saatgut lässt sich problemlos vermehren. Ihr solltet die Samen nur von reifen, gesunden und kräftigen Pflanzen entnehmen. 

Wo sitzt der Samen?

So unterschiedlich die Pflanzen sind, so unterschiedlich sind auch die Samen versteckt. Bei Blumen bilden sich die Samen meist aus der Blüte und man kann sie einfach im Vorbeigehen abknipsen. Wichtig ist, dass die Samen schon trocken sind. Bei Doldenblütlern wie Möhre oder Fenchel bilden sich die Samen eine Weile nach der Blüte. Ihr könnt die ganze Dolde abschneiden und noch weiter trocknen lassen und schließlich die ovalen Samen abfriemeln. Auch bei Sonnenblumen, Ringelblumen, Tagetes und co. lässt sich unschwer erkennen, wo die Samen sitzen und ihr könnt sie einfach einsammeln.

Bei Gemüse wird es schon etwas komplizierter. Kohlgemüse bilden z.B. nach der Blüte Schoten, die man dann ähnlich wie Erbsen auspulen kann. Fruchtgemüse wie z.B. Auberginen oder Gurken verstecken ihr Samen im Fruchtfleisch. Möchte man von diesen Pflanzen Samen abnehmen, sollte man eine Frucht vollständig ausreifen lassen und dann die Samen aus dem Inneren entnehmen. Bei Hülsenfrüchten ist das Saatgutsammeln besonders einfach. Lasst einfach ein paar Bohnen oder Erbsenschoten hängen, bis sie rascheltrocken sind und verwendet diese dann zur Aussaat im nächsten Jahr. 

Tomaten gehören eigentlich zu den Beeren und tragen ihre Samen ebenfalls im Fruchtfleisch. Die einfachste Variante dieses Saatgut zu gewinnen, ist es die Samen mit dem Glibber drum herum auf ein Küchentuch zu streichen und darauf trocknen zu lassen. Es gibt einige Pflanzen, bei denen man sich zwei Jahre gedulden muss. So bilden z.B. Möhren und Knoblauch erst im zweiten Kulturjahr Samen. Unsere Möhren haben zwar schon in diesem Jahr Samen, allerdings sind sie auch geschossen, weshalb man sie lieber nicht verwenden sollte, da die nächste Generation dann auch zu einer frühen Blüte neigt. 

Bei welchen Pflanzen ist Vorsicht angesagt?

Bei Kürbisgewächsen muss man ein bisschen mehr tun, um brauchbares Saatgut zu bekommen. Hokkaido, Zucchini und Co. sind Fremdbefruchter-Arten. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sich über Insekten Pollen einer anderen Sorte einkreuzen. Würde man diese Samen verwenden, kämen völlig andere Pflanzen dabei heraus. Das kann bei Kürbissen dazu führen, dass sich z.B. ein Zierkürbis einkreuzt und alle Früchte ungenießbar werden. ⚠️ Bei Zucchini kann das sogar richtig gefährlich werden, denn im schlimmsten Fall, werden die Pflanzen giftig. Wenn ihr euch an die Vermehrung dieser Pflanzen rantrauen wollt, informiert euch vorher unbedingt nochmal gründlich.

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis. Ihr dürft mit selbst gewonnenem Saatgut nicht handeln. Das Tauschen oder Verschenken an den Nachbarn oder die Nachbarin sollte im Hobbybereich kein Problem sein. 

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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