Balkon-, Terrassen- und Kübelgarten

Endlich sind die Tage wieder länger und die Frühblüher durchstoßen die faden Grautöne, die uns die letzten Monate begleitet haben. Die Gärtner*innen in uns können kaum erwarten, dass man wieder durch Baumarkt und Gartencenter schlendern kann. Ich kaufe jedes Jahr eine Primel, um den Frühling auch auf der Terrasse zu begrüßen. Dass Terrasse und Balkon aber nicht nur für Primeln und Geranien taugen, wollen wir heute noch mal richtig beleuchten.

Balkongärtner*innen aufgepasst! Wir schauen uns heute an, was man so auf kleinem Raum anbauen kann, wie viel realistisch ist und wie man die Pflanzen dabei auch noch optimal versorgt.

Meine Leidenschaft für’s Gärtnern wurde ja vor ungefähr 12 Jahren auf einem Südbalkon entfacht. Was mit Geranien begann, endete mit Tomaten, Kürbis und Kartoffeln. Ihr seht schon, mit dem richtigen Licht-, Platz-, Wasser-, und Nährstoffmanagement geht so einiges auf dem Balkon.

Es werde Licht

Ohne Licht sieht es schlecht aus für unsere Pflanzenkumpels. Bei einem Balkon oder einer Terrasse kann man sich allerdings oft nicht aussuchen, in welche Richtung sie zeigen. Aber nicht verzagen, auch wenn ihr nicht den ganzen Tag Sonne habt, könnt ihr Pflanzen auf eurem Balkon, eurer Terrasse oder dem Fensterbrett kultivieren.

Südbalkon
  • ganztägig Sonne
  • Wände heizen sich tagsüber auf und geben nachts Wärme ab
  • Wassermangel ist chronisch
  • für einige Pflanzen wird es zu heiß

Beste Pflanzen: Tomaten, Auberginen, Paprika, Chili, mediterrane Kräuter, Oliven, Sukkulenten

Ostbalkon
  • perfekt zum Frühstücken
  • zu wenig Licht für viele sonnenanbetenden Pflanzen

Beste Pflanzen: Margeriten, Petunien, heimische Kräuter, Salate, Spinat, Radieschen, Kohlrabi

Nordbalkon
  • schattiges Plätzchen bei Hitze
  • Wassermanagement ist einfach
  • für viele Pflanzen zu wenig Licht
  • späte Pflanzung, wegen Kälte und Lichtmangel

Beste Pflanzen: Salat, Spinat, Farne, Moos, Erbsen, Brokkoli, Blumenkohl

Westbalkon
  • der beste Balkon für Dauergriller
  • Feierabend in der Sonne

Beste Pflanzen: Petunien, Engelstrompete, Salbei, Studentenblume, mediterrane Kräuter, Bohnen, Brokkoli, Möhren, Radieschen

Natürlich kann man auch immer ein bisschen tricksen. Wir haben eine Westterrasse, können also unsere Kübel auch so hin und her rücken, dass sie möglichst viel Sonne abbekommen. Bei einem Nordbalkon wird das schon deutlich schwieriger sein. Da braucht ihr schon ein Pflanzlicht oder einen kreativen Reflektoreinsatz, um sonnenhungrige Pflanzen anzubauen. Dafür eignet sich ein Nordbalkon voll gut für ein hübsches Moos-Graffiti 😀

Platz da!!!

Machen wir uns nix vor, Platz ist auf Balkon und Terrasse Mangelware. Auf meinem Balkon sah es damals ungefähr so aus:

Vier Kästen an der Balustrade, Blumenkübel überall wo Platz war, in unterschiedlichsten Größen, Blumenampeln am oberen Balkon befestigt und noch ein paar Töpfe an der Regenrinne. Auf unserer Terrasse gibt’s ein ähnliches Bild. Eine Palette dient hier noch als vertikales Beet. Ich hab auch noch etwas Platz drumherum annektiert und bisher hat es noch keinen gestört. Apropos stören…

Was darf ich überhaupt auf meinem Balkon?

Wir sind immer noch in Deutschland, also gibt es natürlich mehr oder weniger strikte Regeln, wie man seinen Balkon zu gestalten hat. Bevor ihr euer Vertical-Gardening-System verschraubt oder Bolzen für die Hängematte in die Wände haut, schaut erst in euren Mietvertrag. Pflanzkästen sollten grundsätzlich wetterfest installiert sein. In den meisten Fällen darf man Balkonkästen nur nach innen gerichtet aufhängen, damit sie bei Stürmen keine Gefahr für vorbeilaufende Passant*innen bergen.

Solltet ihr Löcher in die Wände bohren wollen, sprecht das vorher mit der Hausverwaltung ab, damit ihr auf der sicheren Seite seid. Manche Vermieter*innen legen viel wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild und können ausladende Deko, Markisen und zu exotische Bepflanzung verbieten. Ebenfalls untersagt ist die Bepflanzung der Fassade mit Wein, Efeu oder ähnlichen Kletterpflanzen. Auch bei Windspielen und anderen Krachmachern, solltet ihr mit den Nachbar*innen abklären, ob sie es als störend empfinden. 

Die letzte große Klatsche, die Vermieter*innen herausholen können, ist der Brandschutz. Auch dieser kann (berechtigt) als Vorwand genutzt werden, bestimmte Dekorationen auf Balkonen, Terrassen und Fensterbrettern zu verbieten. Übrigens auch ein Grund, warum das Grillen (zumindest mit Holzkohle) an Mietshäusern oft untersagt ist. Elektrogrills sind in der Regel aber kein Problem, solange sich weiter Anwohner*innen nicht über Geruchsbelästigung beschweren.

Wohnraum für Pflanzen

Kartoffeln kommen sogar im alten Maurerkübel

Bei der Auswahl von Gefäßen für Balkon und Terrasse solltet ihr darauf achten, dass diese nicht zu schwer sind. Terrakotta ist zwar hübsch, kann aber auch schlecht hin und her geräumt werden. Bei Balkonen kommt hinzu, dass es eine maximale Belastung pro m² gibt, die ihr lieber nicht überschreiten solltet. Irgendwo hab ich allerdings gelesen, dass das bei neueren Balkonen gut 300kg sind. Da ist also ein bisschen Spielraum. Es spricht auch hier nichts dagegen, recycelte Behälter zu verwenden. In alte Konservendosen passen gut ein paar Kräuter, alte Gemüsekisten eigenen sich bestens für Salat und in einem ausrangierten Fahrradkorb können sich ein paar Frühblüher richtig wohl fühlen. Achtet aber darauf, dass im Boden immer ein paar Löcher sind, damit sich kein Wasser staut. Es empfiehlt sich auch, eine Drainageschicht aus Tonkugeln oder Vulkangestein in die Töpfe zu geben, damit Wasser gut abfließt und die Kübel nicht zu schwer werden. 

Wasser 

Ollas auf der Terrasse

Zu viel schadet, zu wenig auch. Das Wassermanagement in Kübeln, Töpfen und Kästen ist gar nicht so einfach. Gerade für Südbalkone empfehle ich euch Kübel mit Wasserreservoir. Die könnt ihr kaufen oder selber basteln. Im besten Fall habt ihr einen Wasseranschluss auf dem Balkon und könnt dort direkt die Gießkanne befüllen. Wir haben das nicht, dafür haben wir aber eine kleine Regentonne, in der wir Wasser zum Gießen sammeln. Gerade im Sommer, wenn wir viel Obst verarbeiten, nutzen wir das Wasser oft nur dafür, das Obst abzuspülen. Dieses Wasser fangen wir dann in einer Schüssel auf und nutzen es, um die Terrassenpflanzen zu versorgen. Da das oft sehr viel Wasser ist, haben wir die Regentonne angeschafft, damit wirklich nichts vergeudet wird. Vielleicht habt ihr nette Vermieter*innen, sodass ihr sogar eine Regentonne an die Fallrohre anschließen dürft. Auch eine dünne Mulchschicht kann bei Kübeln die Verdunstung reduzieren. 

Grundsätzlich empfiehlt es sich morgens zu gießen, weil die Erde über Nacht gut abgekühlt ist und das Wasser dann langsamer verdunstet. Ihr könnt auch abends gießen, aber bei uns sind die Kübel oft so aufgeheizt, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre.

Ihr solltet auch gegen zu viel Wasser gewappnet sein. Achtet darauf, dass überschüssiges Wasser durch Löcher im Boden abfließen kann und auf eine gute Drainageschicht, damit die Wurzeln nicht anfangen zu faulen. Wenn ihr mehr über Bewässerung erfahren wollt, schaut noch mal in unseren Beitrag “Wasser marsch!”

Nährstoffe

Bokashi im Terrassenbeet

Wenn eure Pflänzchen in Kübeln stehen, lässt es sich fast nicht vermeiden, dass man sie hin und wieder mit etwas Dünger versorgen muss. Die Erde ist im Topf oder Kasten deutlich schneller ausgelaugt. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Düngen noch nicht so richtig beschäftigt habe und das eher nach Gefühl mache. Ich mische regelmäßig etwas Bokashi-Saft ins Gießwasser und das war’s. Starkzehrer wie Tomaten solltet ihr in der Vegetationsperiode regelmäßig düngen. Bei mediterranen Kräutern ist weniger mehr, da sie in ihrer Heimat auch oft auf kargen Böden stehen. Wenn ihr irgendwo frischen Kompost besorgen könnt, freut das auch die Kübelbewohner*innen. Erde für Balkonpflanzen ist oft schon vorgedüngt, sodass ihr in den ersten Wochen nicht zusätzlich düngen müsst. Wenn ihr Erde aus dem letzten Jahr wiederverwenden wollt, mischt diese am besten mit Kompost oder pflanzt Schwachzehrer wie Salat hinein. Salat sollte generell nicht gedüngt werden, weil er sehr schnell überdüngt ist und dann fault. Außerdem kann sich in Salat und Spinat viel Nitrat anreichern, wenn man düngt. Mit Pflanzenstärkung werden wir uns sicher auch noch mal in einem separaten Beitrag beschäftigen.

Das waren jetzt nur ein paar Basics für die Balkon- und Terrassenbepflanzung. Jede Pflanze hat ihre ganz eigenen Bedürfnisse und man kann eine Wissenschaft daraus machen, diese dann mit ausreichend Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Wenn ihr richtige Genies seid, könnt ihr sogar den genauen Wasserverbrauch berechnen und mittels Tropfbewässerung optimale Versorgung garantieren. Ihr wisst ja, dass wir eher zur faulen “mal-schauen-was-dabei-rauskommt”-Sorte gehören, weshalb wir oft auf Pi-mal-Daumen setzen. Wir geben lediglich ein paar Tipps und Erfahrungen und ihr entscheidet, was ihr daraus macht 🙂 und jetzt raus auf den Balkon mit euch!

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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