Vitamine vom Fensterbrett

Sprossen, Microgreens,  Regrowing

Die Kalorienschlacht der letzten Monate hängt uns noch auf den Hüften und so langsam, möchte man mit dem neuen Jahr auch wieder ein neues Körpergefühl. Fettiges und süßes Essen wird verbannt und an die Stelle treten Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte. Leider ist immer noch Winter, weshalb die Versorgung mit regionalen gesunden Lebensmitteln etwas eingeschränkt ist. Wer neben Kohl, Rüben und Kürbis aber noch knackiges frisches Grün haben will, kann sich an Sprossen, Microgreens und Regrowing-Versuche wagen. Außerdem helfen solche kleinen Fensterbrettexperimente gegen die große Gartensehnsucht, die uns vermutlich alle quält.

Sprossen selber ziehen

Einige Sprossen kann man inzwischen sogar im Kühlregal gut sortierter Supermärkte finden. Mungobohnen-Keime werden zB. oft in der asiatischen Küche verwendet. Es eignen sich aber auch viele andere Pflanzen für die Fensterbankzucht. 

geeignetes Saatgut

Im Bio-Markt findet ihr Saatgut speziell für die Anzucht von Sprossen. Es gibt auch fertige Mischungen, die dann tolle Zusätze haben wie “vital” oder “fitness”, ihr könnt aber auch selbst gewonnenes Saatgut verwenden. 

  • geschälte Sonnenblumen
  • Alfalfa
  • Bockshorn
  • Brokkoli
  • Linsen
  • geschälte Getreide
  • Zuckererbsen
  • Kichererbsen
  • Radieschen
  • Rettich
  • Rote Bete
  • Senf

Alle Samen, die eine Schale haben, sollten geschält sein, da die Schale durch das einweichen trotzdem nicht kaubarer wird. Normales Saatgut aus dem Bau- oder Gartenmarkt eignet sich nicht dafür, da dieses oft behandelt wird oder Pestiziden ausgesetzt war.

Zubehör

Um Keimsprossen zu ziehen, braucht ihr nicht viel. Im Prinzip reicht ein leeres Gurkenglas, über das man mit einem Gummi einen feinen Gaze-Stoff spannt. Im Handel gibt es Sprossengläser, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Man kann sich auch mehretagige “Brutkästen” für die Sprossenzucht anschaffen, das lohnt sich aber erst, wenn man regelmäßig viele verschiedene Sorten ziehen will. 

Anzucht

Gebt etwa einen, maximal zwei Esslöffel vom Saatgut in euer Glas und weicht es dann für mehrere Stunden ein. Die Einweichzeit ist abhängig von der Größe und Struktur der Samen und variiert zwischen 4 und 12 Stunden. Hier findet ihr eine übersichtliche Liste. Nach der Einweichzeit gießt ihr das Wasser ab und in den nächsten Tagen spült ihr sie zwei- bis dreimal mit klarem Wasser. Manche Sprossen bilden sehr feine Wurzeln, die auf auf den ersten Blick wie Schimmel aussehen. Um Verwechslung zu vermeiden riecht an den Sprossen und entsorgt sie, falls ihr einen Schimmelbefall nicht ausschließen könnt. Wenn sie die Verzehrgröße erreicht haben, solltet ihr sie vor dem Essen kurz blanchieren, zumindest große Sprossen, wie Soja- oder Mungobohnen, da immer ein Restrisiko bezüglich einer Keimbelastung besteht. Kleinere Sprossen wie z.B. Alfalfa solltet ihr vor dem Verzehr gründlich unter fließendem Wasser abspülen. Das Glas säubert ihr mit heißem Wasser oder gebt es in den Geschirrspüler, damit Keime keine Chance haben.

Mit frischen Sprossen könnt ihr Suppen, Salate und Butterbrote mit wertvollen Vitaminen toppen.

Microgreens

Während Sprossen sehr jung verzehrt werden, wartet man bei Microgreens etwas länger, nämlich bis sie ihre Keimblätter vollständig ausgebildet haben. Am bekanntesten ist hier wahrscheinlich Kresse, die man inzwischen auch im Supermarkt in kleinen Pappschalen kaufen kann.

geeignetes Saatgut

  • Erbsen
  • Kresse
  • Basilikum
  • Sauerampfer
  • rote Bete
  • Spinat
  • Kohlrabi
  • Rucola
  • Schnittsalat
  • Postelein
  • Feldsalat
  • Asia-Greens
  • Kapuzinerkresse

Zubehör

Für Microgreens braucht ihr lediglich ein paar Anzuchtgefäße, etwas Anzuchterde und eine kleine Sprühflasche.

Anzucht

Microgreens werden in Schalen mit 2-3cm Anzuchterde gezogen. Für manche Microgreens wie z.B. Kresse reicht sogar ein feuchtes Küchenpapier oder ein Keimvlies. Ihr könnt ausgediente Tetrapacks, Plastikdosen oder Blumenuntersetzer dafür verwenden, achtet einfach darauf, dass die Schalen wasserdicht sind. Die Samen werden normal ausgesät (siehe Tütchen) und dann täglich gegossen. Achtet auch auf ausreichend Licht, damit die kleinen Vitaminbomben auch schön gleichmäßig wachsen. Einige stülpen Plastikfolie über die Gefäße, damit die Verdunstung nicht so hoch ist, dies erhöht aber auch die Gefahr für Schimmel. Wenn ihr ein improvisiertes Gewächshaus aus Folie baut, vergesst nicht, regelmäßig zu Lüften. Ernten könnt ihr nach 1-2 Wochen, in dem ihr die Pflänzchen einfach mit einer Schere einen Zentimeter über dem Boden abschneidet. Die ausgediente Erde könnt ihr im Garten oder der Biotonne entsorgen.

Microgreens könnt ihr in Smoothies, Bowls oder Salate geben. Erntet sie am Besten immer frisch und sät in regelmäßigen Abständen nach, damit ihr immer frischen Nachschub habt.

Regrowing

Regrowing bedeutet, dass man aus Küchenabfall wieder neues Obst und Gemüse wachsen lassen kann. Ihr habt vielleicht schon mal beobachtet, dass Knoblauch irgendwann feine grüne Blätter aus der Knolle schiebt oder dass in einer Paprika eine neue wächst. Das Gemüse ist nach der Ernte nämlich nicht einfach tot, sondern hängt zum Teil so fest am Leben, dass wir ihm mit minimalem Aufwand helfen können, sich weiter zu vermehren. Beim Regrowing nutzt man meist die vegetative Vermehrung von Pflanzen, bedeutet also man klont sie. Man kann aber genauso gut aus einem Chili- oder Mandarinensamen eine neue Pflanze züchten. Für uns sind solche Experimente vor allem ein spaßiger Zeitvertreib, man kann so aber natürlich auch weniger konsumieren, Abfall einsparen und den Wert der Pflanzen für unsere Ernährung noch besser schätzen.

Ein paar Nachmach-Vorschläge für euch:

Frühlingszwiebeln

Wenn ihr Frühlingszwiebeln verwendet, lasst von der Wurzel aus etwa 2-3cm übrig und stellt die Enden in ein Glas mit Wasser. Die Frühlingszwiebeln beginnen nach wenigen Tagen weiter zu wachsen und können immer wieder geerntet werden. Vergesst nur nicht, das Wasser regelmäßig zu wechseln, sonst riecht es bald sehr streng. Sobald sich neue Wurzeln gebildet haben, könnt ihr die Frühlingszwiebeln auch auspflanzen und zur Ernte einfach ein paar Zentimeter über dem Boden abschneiden.

Ingwer 

Ingwer eignet sich super für die Indoorzucht auf der Fensterbank. Ingwer ist nicht nur ein super Gewürz für asiatische Speisen, sondern auch eine hervorragende Heilpflanze, die in keinem Haushalt fehlen sollte. Sobald ihr helle Keime an der Wurzel entdeckt, könnt ihr sie in einen Blumentopf pflanzen. Das Stück, das ihr verwendet, sollte mindestens 3cm groß sein. Sollte es schon ein bisschen vertrocknet sein, könnt ihr das Stück über Nacht in Wasser quellen lassen. Schnittstellen sollten nicht frisch sein, sondern lieber noch einen Tag an der Luft trocknen, damit sich kein Schimmel bildet. Wählt einen Blumentopf der etwa 15cm Durchmesser hat und platziert euer Ingwerstück 4-5 cm tief unter der Erde. Feuchtet die Erde regelmäßig an und stellt den Topf an einen hellen und warmen Ort. Ihr werdet indoor wahrscheinlich keine super große Ernte einfahren, aber die Ingwerpflanze eignet sich auch als dekorative Zimmerpflanze. Über den Sommer könnt ihr sie dann auf den Balkon oder in den Garten pflanzen. 

Romana-Salat

Die kleinen Römersalate lassen sich super einfach nachziehen. Wenn ihr den Salat aufgemampft habt, stellt ihr den Strunk einfach in ein Wasserglas. Die Hälfte des Strunks sollte noch rausgucken. Stellt das Ganze an einen hellen Ort und wechselt das Wasser alle 2-3 Tage. Nach spätestens 10 Tagen bilden neue Wurzeln und die Blätter beginnen wieder zu wachsen. Wenn ihr das beobachtet, könnt ihr den Salat in einen Blumentopf pflanzen, regelmäßig gießen und nach einiger Zeit schon wieder ernten.

Kräuter

Viele Kräuter lassen sich vegetativ vermehren. Für endlosen Basilikum könnt ihr z.B. einfach ein paar Stängel abschneiden (mindestens 5 cm), zupft die unteren Blätter ab, sodass nur noch die oberen zwei übrig bleiben und gebt sie in ein Glas mit Wasser. Sobald sich Wurzeln zeigen, können die Stängel in Erde gepflanzt werden. Nach einigen Wochen zeigt sich frisches Grün. Diese Methode funktioniert auch bei Minze, Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano und vielen anderen. 

Es eignen sich noch viele weitere “Abfälle” für eine Weiterzucht auf dem Fensterbrett. Wir haben zum Beispiel eine Ananas wiederbeleben können und auch Avocado- und Mangobäumchen kann man in der Wohnung sprießen lassen. Aufgrund unseres Klimas werden wir zwar keine exotischen Früchte ernten, aber es macht trotzdem Spaß, den Pflänzchen beim Wachsen zuzusehen und als Hingucker im Wohnzimmer taugen sie auf jeden Fall. Wichtig ist, dass ihr den Pflanzen, vor allem denen aus sonnigeren Gefilden, immer genug Licht zur Verfügung stellen könnt. Wir wohnen im Erdgeschoss und haben im Winter kaum Tageslicht, weshalb Mango und co. auf unseren Fensterbrettern leider keine Überlebenschancen haben. Aber heimische Pflanzen können gut im Frühling vom Fensterbrett in den Garten ziehen.

Quellen:

Sprossen, Microgreens & co. – Superfoods zu Hause anbauen; Kullmann; EMF Verlag; Igling 2017

Indoor Gardening; Appel; EMF Verlag, Igling 2016

Regrow your veggies; Raupach; Ulmer KG; Stuttgart 2018

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