Lange lebe das Gemüse!

Mehrjährige Gemüsesorten im Garten

So langsam stapeln sich die Fensterbretter voll mit kleinen Pflanzenschützlingen. Was steht da so bei euch? Wahrscheinlich sowas wie Chili, Aubergine, Paprika, Physalis, Tomaten, also vor allem sonnenanbetende Fruchtgemüse. Keine Sorge, das ist bei uns genauso und auch auf keinen Fall falsch. Es macht ja auch unglaublich viel Freude, seine Schützlinge von klein auf zu betreuen und ihnen beim Erwachsenwerden zu zusehen. Ihr müsst aber schon zugeben, dass das eine recht zeitintensive und verantwortungsvolle Aufgabe ist. Wenn ihr etwas von diesem Aufwand einsparen wollt, könnt ihr ja mal das ein oder andere mehrjährige Gemüse probieren.

Warum sollte ich das wollen?

Zeit

Das Betreuen und Betuddeln von kleinen Pflänzchen braucht Zeit. Und auch wenn die einjährigen Gemüse dann groß genug sind, um in den Garten zu ziehen, werden sie oft noch ganz schön verhätschelt. Dünger hier, Unkraut zupfen da… Mehrjähriges Gemüse braucht meist nur 1-2 Mal im Jahr Aufmerksamkeit und kommt gut mit einer Mulchschicht durch die Saison. Der größte Teil der Arbeit ist hier wohl das Ernten. 🙂

Geld

Saatgut und Jungpflanzen kosten meistens Geld. Mir ist es auch schon häufiger passiert, dass liebevoll vorgezogene Pflanzen von Schnecken oder Frost dahingerafft wurden und ich dann welche nachkaufen musste. Bei mehrjährigem Gemüse ist die Gefahr, dass so etwas passiert geringer, zumindest sobald es gut eingewachsen ist. Ihr müsst es also nur einmal pflanzen und könnt jahrelang davon ernten. Als Bonus sind einige mehrjährige Gemüse auch noch Stauden, die man teilen kann. Ihr könnt dann Teilstücke verschenken oder euren Gemüsegarten stetig erweitern.

Welche Gemüsesorten sind überhaupt mehrjährig?*

Rharbarber 

Auch wenn er eher süß gegessen wird, gehört Rhabarber zum Gemüse. Wir verwenden ihn als Kompott, Kuchenbelag und Likörbasis und alles davon schmeckt fantastisch. Außerdem ist es eines der ersten Gemüse, die man im Jahr ernten kann. Also viele Gründe, ihn in den Garten aufzunehmen. Rhabarber mag es kühl und der Boden darf ruhig sauer sein. Man kann Rhabarber zwar aus Samen ziehen, aber es ist gängiger ihn über Wurzelstücke zu vermehren. Fragt doch mal im Freundeskreis rum, ob euch jemand ein Stückchen absticht. Rhabarber ist auch recht pflegeleicht. Nach dem Winter kann er mit Kompost gedüngt werden und vor dem Winter sollte er mit einer Mulchschicht bedeckt werden.

Spargel

Ebenfalls eines unserer liebsten Frühjahrsgemüse. Spargel ist gesund und lecker und aufwändig im Anbau. Spargel ist eine Küstenpflanze und bevorzugt leichte Böden. Man kann ihn auch auf Lehmböden anbauen, sofern man diese vorher gut mit Kompost durchmischt. Ihr habt vielleicht schon mal ein Spargelfeld gesehen. Das sieht ziemlich wellig aus, denn der Spargel wird regelmäßig gemulcht und angehäufelt. Wenn ihr Spargel anbauen wollt, müsst ihr den Boden vorher von allen Unkräutern befreien, da sich diese sonst mit den Spargelwurzeln verflechten würden. Man kann Spargel aus Samen ziehen, allerdings dauert es dann drei Jahre bis man zum ersten Mal ernten kann. Insgesamt kann man ein Spargelbeet wohl 10 Jahre lang beernten. Das ist natürlich eine lange Zeit, mir ist der Aufwand aber definitiv zu groß. 

Artischocken

Das feine Gemüse aus dem Mittelmeerraum ist ebenfalls mehrjährig, kann allerdings nicht ohne Winterschutz im Garten stehen bleiben. Wenn ihr bis zu drei Jahre Freude an eurer Artischocke haben wollt, solltet ihr sie im Winter dick mulchen oder ausgraben und an einem wärmeren Ort überwintern. Bei uns ist das Klima eher rau, deswegen haben wir es noch nicht ausprobiert. Wenn ihr Artischocken im Garten wachsen lassen wollt, könnt ihr sie einfach aus Samen ziehen. Die hübsche Diestel beansprucht allerdings recht viel Platz, weshalb ihr gut überlegen solltet, wo sie euch am wenigsten stört. Die Artischocke kann während der Saison mehrfach beerntet werden und sollte immer gut mit Wasser versorgt sein.

Topinambur

Ihr kennt bestimmt diese wunderschönen gelben Blüten, die manchmal in großen Gruppen in der Landschaft auftauchen, das ist oft Topinambur. Topinambur wächst bei uns zum Beispiel am Stadtrand und man könnte einfach hingehen, ein paar Wurzeln ausgraben und sie im eigenen Garten wieder eingraben. Dabei sollte man aber unbedingt eine Wurzelsperre mit versenken, weil man sonst bald im ganzen Garten Topinambur hat. Unser Garten ist für die leckere Knolle leider zu klein, aber wir wissen, wo man ihn wild findet. Wenn ihr Topinambur im Garten wollt, braucht ihr gar nicht viel tun. Schwere Böden sollten etwas mit Kompost und Sand aufgebessert werden, in leichte Böden könnt ihr die Knolle einfach so stecken. Das war’s auch schon, den Rest macht die Pflanze von allein und ihr braucht nur noch ernten.

Wilde Rauke

Ich hab aus Versehen irgendwann einen Topf wilder Rauke im Baumarkt gekauft, ich dachte nämlich, es wäre Rucola. Im Prinzip ist der Geschmack auch der gleiche. Die wilde Rauke ist ein super Würzkraut für Salate, Kräuterbutter und co. Die Blätter sind etwas schmaler als bei Rucola und Salatrauke, dafür aber auch intensiver im Geschmack. Wilde Rauke braucht man nur einmal aussäen und schon verteilt sie sich fleißig im Garten. Wir ernten davon ein dreiviertel Jahr lang und lassen sie im Winter einfach in Ruhe. Bei uns steht die Rauke in der ehemaligen Blumenrabatte, die wir zur Kräuterrabatte umfunktioniert haben. Ihr könnt wilde Rauke auch gut in Töpfen auf dem Balkon und der Terrasse kultivieren.

Mangold

In den letzten Jahren ist Mangold als Gartengemüse nochmal richtig gehypt. Er schmeckt nämlich nicht nur gut, sondern ist auch sehr dekorativ mit seinen verschiedenen Farben. Eigentlich ist Mangold eine Rübe ohne Rübe und kann seine dünnen Wurzeln bis zu 90(!)cm tief in die Erde treiben. Man kann sowohl den Stiel als auch die Blätter essen und der Geschmack erinnert mich am ehesten an Spinat (weshalb ich ihn auch nicht mag). Im ersten Jahr bildet er noch keine Blüten, aber im zweiten Jahr kann man dann die Samen ernten. Mangold braucht nicht so viel Platz im Garten und kann auch gut auf dem Beet stehen. Er könnte außerdem auch für die Balkongärtner*innen unter euch interessant sein, weil er auch gut in Töpfen gedeiht.

*Quelle: John Seymour – Das neue Buch vom Leben auf dem Lande; S.141(Rhabarber), S. 125 (Spargel), S.137 (Artischocke), S. 138 (Topinambur), S. 129 (Mangold)

Es gibt natürlich noch viel mehr mehrjährige Pflanzen, wie zum Beispiel Erdbeeren, Neuseeländer Spinat, Meerrettich, Baumzwiebeln, Erdmandeln, Staudenkohl, Staudensellerie und und und. Unter bestimmten Bedingungen sind auch Tomate, Physalis und Chili mehrjährig, allerdings nicht in unserem Klima. Wenn ihr einen Dauergarten anlegen wollt, den ihr ohne viel Arbeit das ganze Jahr über beernten könnt, solltet ihr Pflanzen nehmen, die ihr nicht jedes Jahr im Winter wieder ausgraben müsst.

Wohin mit den Dauergästen?

Im Garten 

Da die Pflänzchen eine ganze Weile oder sogar für immer am Ort stehen bleiben, solltet ihr euch den Standort gut überlegen. Im Kleingarten ist das mitunter gar nicht so einfach, weil man ja eigentlich ständig die Kulturen wechselt. Wir haben deshalb alles, was mehrere Jahre stehen soll in die ehemalige Blumenrabatte oder am Zaun zum Nachbargarten platziert. Ihr könnt Artischocke und co. natürlich auch ins Beet stellen. Mir ist es lieber, alles was sich verändern darf in einem Bereich zu haben und alles für die Ewigkeit in einem anderen. 

Auf dem Balkon

Einige der Ewigen eignen sich auch für die Anzucht im Blumentopf oder Balkonkasten. Dann ist das mit der Standortwahl auch nicht so schwierig, denn ein Blumentopf ist schnell bewegt. Ihr werdet zwar keinen Spargel auf dem Balkon ernten (überzeugt mich gern vom Gegenteil), aber wilde Rauke, Neuseeländer Spinat, Liebstöckel und Erdbeeren sollten kein Problem sein. Achtet beim Befüllen der Töpfe auf eine ausreichende Drainageschicht, damit überschüssiges Wasser gut ablaufen kann.

Theoretisch kann man seinen ganzen Garten mit mehrjährigen Pflanzen gestalten und mit minimalem Aufwand das ganze Jahr über ernten. Für uns ist eine Mischung aus einjährigen und mehrjährigen Pflanzen wohl genau die richtige. Ich experimentiere gern und manchmal sind da eben auch Gemüse dabei, die mir nicht so schmecken und die will ich dann doch nicht jahrelang haben 😀 Ein paar mehrjährige Gemüse haben wir schon und vielleicht kommt da auch noch etwas dazu, aber auf den Beeten werden wohl weiterhin einjährige Gemüse kultiviert.

Quellen:

COLLIGNON, Philippe ; Mehrjähriges Gemüse – Einmal pflanzen, dauernd ernten , EUGER ULMEN, 2021   
SEYMOUR, John; Das neue Buch vom Leben auf dem Land, DK Verlag, 2019    

geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen...
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