Komposttoilette

Es geht um die Wurst

Wir wollen uns heute mal mit etwas Humor einem Thema nähern, das vielleicht einigen Gärtner*innen ein wenig unangenehm ist. In unserer Gartenanlage wird nicht unbedingt darüber gesprochen, wer seine Fäkalien wie entsorgt. Was klar ist, keiner von uns ist ans Abwasser angeschlossen und ebenso dürfte niemand eine Grube haben. Wir wohnen nur fünf Minuten von unserem Garten entfernt, weshalb es bisher auch bei uns kein so großes Thema war. Für das kleine Geschäft haben wir eine stinknormale Campingtoilette. Trotzdem wollen wir eine Komposttoilette in den Garten bauen, damit man in der Laube übernachten kann und auch Gäste sich wohlfühlen beim Toilettengang. 

Welche Systeme gibt es?

Im Groben unterscheidet man zwei Systeme. Es gibt Toiletten, bei denen feste und flüssige Ausscheidungen zusammen in einem Behälter gesammelt werden und solche, bei denen Feststoffe und Urin getrennt werden. Da Urin und Kot zusammen gären und unangenehme Gerüche verursachen können, sind Trenntoiletten im Moment etwas beliebter. Toiletten der ersten Variante wären zum Beispiel Plumpsklos und Toitois. Es gibt auch schon riesige Komposttoilettenanlagen für ganze Häuser, bei denen dann alles in Behältern gesammelt wird und später zur Kompostieranlage gefahren wird. Ich habe auch schon Systeme gesehen, bei denen das entstehende Gas zum Heizen und Kochen genutzt wird. Das sind natürlich super coole Systeme für komplett autarke Wohnprojekte, für unseren Kleingarten reicht uns aber erstmal eine normale Trenntoilette.

Was ist eine Komposttoilette?

Eine Komposttoilette ist eine Toilette, die ohne Wasseranschluss auskommt. Einige denken jetzt vielleicht an das allseits beliebte Plumpsklo, welches oft weit vom Haus entfernt war und immer etwas gruselig und muffig wirkte. Heute gibt es Trockentoiletten Systeme, die man im Haus verwenden kann und für die man sich auch nicht schämen muss. Gerade für Gartenlauben, Berghütten oder Bungalows in Gebieten, die keinen Wasseranschluss haben, bieten sie eine saubere Möglichkeit, Fäkalien zu entsorgen. Auch ökologisch gesehen, ist die Anschaffung einer solchen Toilette eine gute Idee, denn sie entlastet Kläranlagen und verhindert, dass man seinen menschlichen Abfall mit Trinkwasser herunterspülen muss. Wie der Name schon verrät, können die Fäkalien kompostiert und so dem Kreislauf wieder zugeführt werden. Wer sich bei dem Gedanken ekelt, sollte sich erinnern, dass wir massenhaft tierische Ausscheidungen auf unsere Felder kippen und auch Klärschlamm auf ähnliche Weise entsorgt wird. Es handelt sich natürlich um Material, das Krankheitserreger und gefährliche Keime enthalten kann, weshalb man bei der Kompostierung auf einige Dinge achten muss. Doch bevor es soweit ist, sollte man im Vorfeld noch einige Überlegungen anstellen.

Kaufen oder bauen?

Da wir eher Macherinnen sind, haben wir uns entschieden, eine Trenntoilette zu bauen. Zugegeben, auch der Geiz spielt da eine kleine Rolle. Für eine Trenntoilette kann man mal locker 400€ ausgeben. Es gibt auch verschiedene Bausätze auf dem Markt. Die Bewertungen der meisten Anbieter sind positiv und der Aufbau scheint recht unkompliziert. Was uns ein bisschen aufstößt, ist, dass ein Trenneinsatz aus Plastik etwa 80€ kostet. Das mag daran liegen, dass die Fertigung noch nicht in Masse geschieht oder der Markt noch recht übersichtlich ist. Wir finden es trotzdem recht kostspielig, weshalb wir eine improvisierte Variante versuchen. Wenn ihr selber baut, ist es wichtig, dass Urin und Kot sauber getrennt werden. Dafür benötigt man einen Urinabscheider, von dem der Urin sauber abfließen muss. Das scheint auch die Schwierigkeit am Selbstbau zu sein, weshalb die meisten zumindest ein sogenanntes Separett dazu kaufen.

Für unsere Selbstbauvariante haben wir folgendes Material besorgt. 

  • Holz für eine Kiste mit den Maßen 40*40*40 inkl. Konstruktionsbalken
  • Schnellbauschrauben
  • Scharniere
  • Campingwaschbecken aus Kunststoff
  • Eimer
  • Kanister 5l
  • Toilettenbrille

Ansonsten braucht man natürlich noch ein paar Geräte wie z.B. Akkuschrauber, -bohrer und eine Säge. 

Wenn ihr selber baut, könnt ihr die Maße natürlich individuell bestimmen. Wichtig ist, dass ihr eine Klappe einbaut, durch die der Eimer und der Kanister passen, damit die Fäkalien auch entnommen werden können. Viele empfehlen den Einbau eines Lüfters, wir verzichten darauf, da unsere Toilettentür im Garten eh nicht dicht abschließt.

Wie kompostiert bzw. verwertet man den Inhalt?

Wie schon erwähnt, können menschliche Fäkalien gesundheitlich bedenklich sein, weshalb man sie unbedingt vollständig kompostieren muss, bevor man sie dem Kreislauf wieder zuführt. 

Urin

Wenn ihr eine Trenntoilette habt, wird der Urin in einem extra Behälter gesammelt. Urin ist reich an Nährstoffen (vor allem Stickstoff) und kann direkt im Garten verwendet werden. Ihr könnt mit verdünntem Urin (1:10) gießen oder ihn unverdünnt auf den Kompost geben. Gerade bei der Zersetzung holzigen Materials kann Urin ein richtiger Booster sein. Da Urin nach einiger Zeit unangenehm riecht, solltet ihr ihn möglichst kurz lagern oder sofort ausbringen. Da Urin in den meisten Fällen steril ist, besteht aus bakteriologischer Sicht keine Gefahr von Krankheiten.

Kot

Bei den Feststoffen muss man schon etwas sensibler vorgehen als beim Urin. In den Fäkalien können sich Krankheitserreger tummeln, weshalb sie im besten Fall heiß kompostiert werden sollten. Die Feststoffe werden in der Trenntoilette separat gesammelt und nach jedem Besuch mit Einstreu z.B. aus Sägespänen abgedeckt.

Heißkompostierung

Der Komposthaufen erreicht dabei im Inneren eine Temperatur von etwa 60°C, was die meisten Krankheitserreger abtötet. Diese Art der Kompostierung funktioniert erst ab einer Masse von 1m³ und kann in handelüblichen Kompostern aus Holz erfolgen.

Heißkompostierung geschieht in drei Phasen: die Abbau-, Umbau und Aufbauphase. Ein Heißkompost wird im Gegensatz zu einem kalten Kompost in einem Arbeitsgang aufgesetzt. Die Fäkalien werden dabei mit anderen Materialien gemischt. Wie beim kalten Kompost solltet ihr darauf achten, dass feuchtes und trockenes, grobes und feines und stickstoffreiches und kohlenstoffreiches Material gut durchmischt sind. Etwas ⅓ des Materials sollte sogenanntes Zuschlagmaterial wie z.B. Rasenschnitt, Unkraut oder Küchenabfall sein.

In der Abbauphase wird Masse abgebaut und die Temperatur erhöht sich stark auf 50-70C°. Nach etwa 7 Tagen solltet ihr das Material einmal umsetzen und erneut durchmischen. Wobei das obere Viertel des Haufens nun nach unten gemischt werden sollte. Nach etwa 4 Wochen ist diese Phase abgeschlossen und die Umbauphase beginnt. Hier wird das Material in eine krümelige Struktur umgesetzt und die Temperatur liegt etwa bei 35C°. Nach weiteren 4-6 Wochen geht es in die Aufbauphase, in der nährstoffreiche Komposterde entsteht. Setzt den Kompost nach etwa 20 Wochen noch einmal um und lasst ihn dann noch etwa 6 Monate liegen, bevor ihr ihn ausbringt. Eine Heißkompostierung kann aufgrund der benötigten Temperaturen nur im Sommerhalbjahr stattfinden. Das heiß kompostierte Material ist hygienisiert und kann theoretisch im Gemüsegarten verwendet werden. 

Kaltkompostierung

Ihr könnt die Abfälle aus eurer Trockentoilette auch kalt kompostieren, dabei ist es aber wichtig, dass man eine Vor- und Nachkompostierung durchführt. Wenn der Eimer der Komposttoilette voll ist, mischt ihr den Inhalt mit etwas Erde und gebt ihn in einen luftigen Kompostbehälter (aus Holz oder Drahtgeflecht), den ihr nach und nach befüllt. Das Gemisch sollte etwa ein halbes Jahr vorkompostiert werden. Die Fäkalien können ebenfalls mit Küchenabfällen, Rasenschnitt und anderen zerkleinerten Materialien gemischt werden. Wichtig ist, dass der Haufen abgedeckt wird, damit nicht zu viel Wasser eindringt. Nach 6 Monaten solltet ihr den Haufen umschichten und mit weiteren Materialien mischen. Nach weiteren 6 Monaten ist alles umgesetzt und kann im Garten verwendet werden. Da der fertige Kompost nicht hygienisiert ist, solltet ihr ihn vorrangig unter Bäumen, Stauden und Sträuchern verteilen und nicht ins Gemüsebeet geben.

Auch wenn es vielleicht erstmal etwas gewöhnungsbedürftig ist, eine Trockentoilette zu benutzen, ist sie doch eine sinnvolle Alternative. Gerade Orte ohne Wasseranschluss profitieren von diesen Systemen. Eine Trockentoilette ist nach kurzer Eingewöhnung wie eine richtige Toilette und meistens riecht sie sogar besser, weil Sägespäne ein waldiges Aroma versprühen. Als Nachteile kann man vielleicht sehen, dass man sich recht aktiv mit den eigenen Ausscheidungen auseinandersetzen muss. Man sollte sich nicht vor der Entleerung und dem Kompostiervorgang ekeln, sonst ist es vielleicht nicht das richtige System für den eigenen Garten. So ein Toilettensystem ist außerdem nur etwas für den Hausgebrauch. Wenn ihr eine 10-köpfige Familie oder eine Fußballmannschaft habt, solltet ihr euch noch einmal genauer über größere Systeme informieren. Für unseren 2-Personen-Gartenhaushalt ist die Trockentoilette genau das richtige System.

Quellen:

https://www.ecovia.ch/images/dokumente/komposttoiletten/kt_verwertung.pdf

Komposttoiletten für Garten und und Freizeit, Wofgang Berger; ökobuch Verlag; Staufen 2025

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